Rad-Tour Rhein-Ruhr
Entlang der Cöln-Mindener Eisenbahn

Sehenswürdigkeiten und Erläuterungen

 

abstrakte Kunst

Der Inhalt der dargestellten, das aus der Sicht des Künstlers Wesentliche der (oder eben nicht mehr dargestellten) Gegenstände wird sichtbar gemacht, es wird abstrahiert. Statt der gegenständlichen Darstellung werden Formen und Farben dargestellt. Der abstrakte Expressionismus mit flächigen Darstellungen und flächigen Farbfeldern sowie der Konstruktivismus mit seinen geometrischen Darstellungen sind Formen der abstrakten Kunst, die ihren Ausdruck auch in der Architektur finden. Von der abstrakten Kunst grenzt sich die nicht gegenständliche Kunst ab.
 
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Akanthus

Bärenklau. Wird der schönen Blattform wegen häufig in der Architektur, aber auch in der Malerei, hier wiederum häufig in der kirchlichen Malerei verwandt. Taucht schon beim korinthischen Kapitell (400 v. Chr.) auf, später römisch, viel in der Renaissance und im Barock, dann wieder im Historismus und im Jugendstil.
 
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Alstaden

Alstaden, ursprünglich eine Bauerschaft, dessen Züge es an der Straße "Am Ruhrufer" noch hat, wie Günters in ihrem Bändchen über das unbekannte Oberhausen schreiben. Es war eine nicht unbedeutende Landgemeinde, als es 1910 nach Oberhausen eingemeindet wurde, inzwischen ein ebenso bedeutender Industrieort. Die Zeugen der jahrhundertealten Geschichte der Gemeinde finden sich überall verstreut.

Am Rande unserer Route, an der Speldorfer Straße nur 30 Meter in die Straße herein, linker Hand, ist es ein Fachwerk-Bauernhaus, ca. 1750 erbaut (Speldorfer Str. 13), das an die bäuerliche Vergangenheit der Gemeinde erinnert. Das Schild am Hause (man müßte auf das Grundstück gehen, deshalb wird hier zitiert) verrät: es handelt sich um ein mitteldeutsches Querdielenhaus mit Oberrähmzimmerei (s. Stockwerksbau), ohne Schwelle, mit Kopfstrebe, ein Haus, das typisch für den Niederrhein ist. Das Haus zu sehen, ist die paar Meter Abstecher wert.

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Amtshaus Mengede

Mengede gehört zu den nachweisbar ganz alten Städten des Ruhrgebietes. Es hat 1982 seine 1100–Jahr–Feier gehabt, wurde als erstmalig 882 urkundlich erwähnt. Mengede war eine Emscherstadt, die Emscher durchfloß den Ort und war gleichzeitig mit Gräben und Umflutkanälen sein Schutz. Man kann die alten Strukturen auf Karten aus dem 19. Jahrhundert noch sehen. Straßennamen erinnern an sie, zum Beispiel die Straße Heimbrügge, die an eine der Brücken erinnert, die mit einem Stadttor versehen war.

In der Zeit des industriellen Umbruchs zwischen 1870 und dem ersten Weltkrieg wurde ein Amt Mengede gebildet, das bis 1928 Bestand hatte. Dann wurde Mengede nach Dortmund eingemeindet.

Die Bedeutung des Amtes fand ihren Niederschlag in den prächtigen Formen (nach heutiger Auffassung keinesfalls schön, aber sehenswert) des Amtshauses, das nach lange Auseinandersetzungen an der damaligen Bahnhofstraße, später Castroper Straße genannt, gebaut wurde. Heute, wo das Amt nur noch Erinnerungswert hat, heißt die Straße "Am Amtshaus".
 
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Arbeiterwohnungsbau

In den 50ern, vorwiegend sogar zwischen 1950 und 1955, wurden viele bestehende Siedlungen und Kolonien durch kleine, schlichte Bauten für vier bis sechs, manchmal bis zu acht Familien, ergänzt. Das hatte mehrere Gründe. Zum einen war durch den Krieg sehr viel Wohnraum zerstört, Wohnungen waren Mangelware (noch in den Sechzigern wurde Wohnraum staatlich bewirtschaftet). Zum anderen brachte das Wirtschaftswunder der Montanindustrie im Ruhrgebiet einen Boom, der zusätzliche Arbeitskräfte erforderte. Alle Ruhrgebietsstädte hatten kräftige Einwohnerzuwächse. Andererseits genügten die Wohnungen in den vom Krieg verschonten oder ganz oder teilweise wieder aufgebauten Altbauten aus der Gründerzeit oder der Zeit des Jugendstils insbesondere dann, wenn sie ursprünglich ebenfalls für Arbeiter oder Kleinbürger gebaut waren, nicht mehr den gestiegenen Wohnansprüchen. Man wollte die Toilette nicht mehr auf der halben Treppe haben und das Bad nicht mehr samstags in der Zinkwanne vor dem Küchenherd nehmen.

Es wurden viele Schlichtbauten aus einfachen Baumaterialien errichtet, die kleine Wohnungen bis höchstens zu einer Größe von 50 m2 für kleinere, d.h., bis zu vier- und fünfköpfige Familien, und bis ca. 65 m2 für größere Familien enthielten. Äußerlich sind diese Bauten ebenfalls an ihrer Schlichtheit zu erkennen: einfache Kuben (Würfel), weitgehend schmucklos, links zwei Fenster, rechts drei Fenster oder links ein Fenster, rechts zwei Fenster, die Größe der Fenster variiert zwischen zwei Flügeln und drei Flügeln, soweit nicht Kippfenster eingebaut wurden oder durch Fenster mit Milchglas oder etwas kleinere Fenster für das Badezimmer. Das Ganze wiederholt sich entweder in mehreren nebeneinander gestellten Bauten, die in der Größe der schon vorhandenen Bebauung angepaßt wurden, wie z.B. bei einigen Kolonien. Die Haustür ist häufig in einen Stuckrahmen eingelassen, der etwas vor die Fassade springt und etwas Wetterschutz beim Aufschließen der Tür bietet. Manchmal sind die Flurfenster (das Treppenhaus ist fast immer mittig über der Haustür über den gesamten Baukörper von außen zu sehen), durch farbige Gläser gestaltet. Die Häuser sind ursprünglich einfach grau und rau geputzt. Selbst nach Isolierung dieser Außenhaut mit anderem Material sind die Häuser meistens immer noch durch ihre Gestalt zu erkennen. Wenn es erlaubt ist, diese Häuser einem Baustil zuzurechnen: die Gestaltung der Eingangsbereiche ist häufig expressionistisch.

Ende der Fünfziger und in den Sechzigern, insbesondere in der ersten Hälfte, wurden ähnliche Bauten errichtet, die allerdings insgesamt etwas großzügiger sind und wirken. Die Wohnungen sind etwas größer, haben häufiger Balkons, kleine mit einfachen Stahlgittern, manchmal sind französische Balkons zu sehen (Fenstertüren mit einem Gitter ähnlich einem Balkongitter, allenfalls zehn, zwanzig Zentimeter vor die Fassade springend), hin und wieder sind Fassadenteile und/oder Balkons in kräftigen Farben, blau, rot, gelb, gestaltet (diese Siedlungen nannte man Papageiensiedlungen).
 
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Auferstehungskirche, Gelsenkirchen-Neustadt

Äußerlich expressionistisch geprägte Kirche, die Formen des Jugendstils hat. Diese Jugendstilformen werden deutlich, wenn man größere Bauten im Jugendstil vergleichend dazu betrachtet. Die Kirche wurde 1910-11 erbaut.
 
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Autobahnkreuz Duisburg-Kaiserberg

Eines der größten, kompliziertesten und vielbefahrensten Autobahnkreuze der Welt. Es verbindet die Autobahn A 40, den früheren Ruhrschnellweg (wir überqueren ihn), Dortmund-Venlo mit der A 2/A 3, Köln-Hannover bzw. Arnhem (wir fahren drunter her). Das Kreuz ist zwischen den Schiffahrtskanal, den Zoo und zwei Eisenbahnhauptstrecken, nämlich die KME und die Bergisch-Märkische Eisenbahn, eingezwängt. Sowohl Straßen als auch Straßenverkehrs- und Schienenwege sind dreifach übereinandergeschichtet. Das Kreuz ist durch seine Bauart nicht zum Wenden im Kreuz geeignet, wie das in den meisten Autobahnkreuzen in Deutschland möglich ist. Der Kaiserberg ist übrigens wirklich ein Berg. Er ist ein eiszeitliches Relikt, das die Ruhr mit ihren wechselnden Mündungen in den Rhein ausgewaschen und zurückgelassen hat.
 
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B 224

Zwischen Essen-Altenessen und Essen-Bergeborbeck überquert man die Gladbecker Str., die wohl meist befahrenste Nord-Süd-Autoverbindung Essens. Sie bildet die Verbindung zwischen den südlich gelegenen Autobahnen Essens A 40 (Venlo-Dortmund), der früheren B 1 bzw. dem früheren Ruhrschnellweg sowie der A 52 (Düsseldorf) und der A 42 im Norden (Emscherschnellweg). Die B 224 wird von den Autofahrern weitgehend als Fortsetzung der A 52 benutzt und ist außerdem die einzige nennenswerte Autostraße zu den Ruhrgebietsrandstädten wie Gladbeck, Marl, Haltern usw.. Täglich wälzen sich in beide Richtungen zehntausende Autos durch die bewohnte Straße. Die Verhältnisse sind seit langem unzumutbar. Ein immer wieder diskutierter Autobahnbau mitten durch die Innenstadt und die Nordstadt Essens mit teilweiser Untertunnelung dieses Teils der Strecke ist bisher an der Finanzierung gescheitert. Die Autobahn würde ein paar hundert Meter östlich der B 224, etwa auf der Hälfte der Strecke zwischen B 224 und Bahnhof Altenessen, gebaut und würde durch Tunnels und Bauweise mit Schallschutzdeckeln eine Erhöhung der Lebensqualität für die Anwohner der alten B 224 und für die in Staus stehenden Autofahrer bringen.
 
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Bäckerei

An der KME-Radroute gibt es zwei Häuschen, denen man ansieht, dass sie früher eine Bäckerei enthielten:

  1. Das Haus Hördeweg 31 in Gelsenkirchen (Foto). Hier ist im Giebel ein Brezel zu erkennen, in den der Name des Bäckers eingraviert ist: Friedr. Quick.
  2. Das Haus Kewerstr. 31 in Oberhausen. Es handelt sich um ein typisches Eckgeschäft. Das Haus ist ein schönes zweigeschossiges Jugendstilhaus, dessen Stuckverzierungen man ansieht, dass der Konditor mitgestaltet hat. Um die Ecke schließt sich die ehemalige Werkstatt an.

Bäckereien haben sich als Einzelhandelsgeschäfte der Nahversorgung erhalten. Zwar sind sie heutzutage meist Filialbetriebe und manchmal als Mieter in Supermärkten. Die Eigenständigkeit gegenüber allen anderen Handels- und Handwerksgeschäften der Versorgung bis hin zu Metzgern, die wir früher vielfältig in den Wohngebieten hatten, ist erhalten geblieben. Es wird allerdings nur noch selten in der hinter dem Geschäft gelegenen Backstube gebacken; Brot, Brötchen und Kuchen entstehen heutzutage meistens in Backbetrieben teilweise industrieller Größenordnung, die in Gewerbe- und Industriegebieten liegen. Bei den Brötchen ist häufig an die Stelle des mittels einer Feuerstelle beheizten Backofens der elektrisch beheizte und elektronisch gesteuerte Heizschrank getreten, den die Verkäuferinnen bedienen müssen. Der Brötchenteig wird, schon zu Brötchen geformt, angeliefert.
 
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Backsteinexpressionismus

s. Expressionismus
 
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Bahndammrandbebauung

Bahndämme werden im Ruhrgebiet häufig von einseitig bebauten Straßen begleitet, die Häuser stehen im wesentlichen nur durch die Straßenbreite getrennt neben der Bahntrasse. Solche Straßen werden aus heutiger Sicht der Stadtplanung nicht mehr gebaut. Erstens ist die Lärmbelästigung durch die Bahn zu hoch. Zweitens ist eine einseitige Bebauung unwirtschaftlich. Alle Kosten für die Straße und die Ver- und Entsorgungseinrichtungen, Wasser und Entwässerung, Kabel aller Art, müssen auf die Anlieger dieser einen bebauten Straßenseite verteilt werden.
 
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Bahnhofsgebäude Oberhausen Hauptbahnhof

1930-34 in backsteinexpressionistischer Weise im sachlichen Stil erbaut. Der markante Turm des Bahnhofes ist ein zweiteiliger Wasserturm, in welchen die großen Mengen für die Dampflokomotiven benötigten Wassers vorgehalten wurden. Man kann an den großen Flächen ohne Fenster die Lage der Wasserbehälter erkennen. Die Haupthalle wurde nach Generalrenovierung des gesamten Gebäudes 1998 wieder eröffnet.

Ursprünglich existierte mit dem Namen Oberhausen neben dem Schloß Oberhausen (ca. 10 Minuten mit dem Fahrrad entfernt) nur der Bahnhof, dessen erster Bau bereits 1844 begonnen wurde, ein Fachwerkhaus, das 1847/48 erweitert und bereits 1853-55 durch einen großen klassizistischen Steinbau ersetzt wurde.

Der erste Bahnhof lag offensichtlich beziehungslos mitten in einer Heidelandschaft, in welche drei große Eisenhütten geklotzt und ein paar Häuser und Hotels gestellt waren; einen dazu gehörende Ort, geschweige denn eine Stadt, gab es nicht. In Ermangelung anderer Anhaltspunkte nannte man den Bahnhof nach dem (mit dem Fahrrad nur 10 Minuten entfernten) Schloß Oberhausen, die später gebildete Gemeinde wurde 1862 ebenso benannt und erhielt bereits 1874 mit diesem Namen die Stadtrechte. Häufig wird die (ebenfalls sehenswerte) Siedlung Eisenheim nordöstlich des Bahnhofes (ca. 15-20 Minuten mit dem Fahrrad) als Keimzelle der Stadt genannt, was nur bedingt richtig ist, weil Eisenheim zu Osterfeld gehörte, das erst 1929 mit der Stadt Oberhausen zusammengeschlossen wurde.

Die früheren Bahnsteige 1 + 2 bzw. Gleise 2–5 sind für ein Eisenbahnmuseum vorgesehen (über den Aufzug am Beginn des Tunnels, vom Haupteingang gesehen, sowie über Treppen aus dem Tunnel zugänglich "Museumsbahnsteig"). Die bisher ausgestellten Fahrzeuge haben Bezug zu Hüttenvergangenheit Oberhausens; es sind Fahrzeuge zum Transport flüssigen Stahls.

Zwischen den beiden alten Bahnsteigen ist ein Steg über alte Radsätze gelegt. Diese Radsätze lassen sich bei Eisenbahnwaggons austauschen, z.B. bei Schäden, bei Änderung der Spurweite, wie an der Grenze zu Rußland.
 
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Bahnhofstr. in Herne

Die Bahnhofstraße in Herne mißt zwischen Bahnhofsunterführung und der Ev. Kreuzkirche (zweiter Kirchturm, wenn man die Straße hinaufsieht) genau 1 km. Herne war im Krieg weitgehend unzerstört geblieben und insbesondere die Bahnhofstraße mit ihrer erhalten gebliebenen 2000 Metern Schaufenstern in historistischen und Bauten des Jugendstils brachte ihr nach dem Krieg den Titel "Die goldene Stadt" ein. Dann kamen die Stadtplaner und holten im Wege der Flächensanierung einen Teil der Kriegszerstörungen nach. Immerhin: 2/3 der Substanz sind erhalten geblieben. Den Erneuerern gingen nämlich Ende der 70er in erster Linie das Geld und in zweiter Linie die Argumente aus. Wir biegen schon an der ersten Kreuzung von der Bahnhofstraße ab.
 
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Barock

Blütezeit zwischen 1650 und 1730. Hauptkennzeichen der Architektur: große, prächtige Bauten mit vielen Verzierungen.
 
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Bauhausarchitektur

Das Bauhaus war eine Hochschule für Gestaltung, ab 1919 zuerst in Weimar, 1925 nach Dessau verlegt, 1933 von den Nazis aufgelöst. Das Bauhaus vereinigte verschiedene Richtungen der Gebrauchskunst. Eines der Anliegen des Bauhauses war ein schöner und zweckmäßiger Bau von Häusern, u.a. nach dem Grundsatz "Die Form folgt der Funktion". Es gibt eine Reihe von Bauten im Ruhrgebiet, die noch heute für unser Auge so modern aussehen, als wären sie erst wenige Jahre alt und die sie sich nur dem geübten Betrachter als zwischen 1919 und 1933 entstanden erschließen. Weiter gibt es allerdings schwerpunktmäßig auch im Ruhrgebiet eine ganze Reihe von öffentlichen und von Wohnbauten, die –häufig im Stile des Backsteinexpressionismus- als Bauhausarchitektur oder vom Bauhaus beeinflußte Architektur erkennbar sind. Einige davon liegen an unserer Route.

Man findet den Begriff der Bauhausarchitektur oder Bauhausstil in der Literatur selten.
 
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Bergwerk Zollverein

Auf unserem Weg liegen zwei ehemalige Schachtanlagen der in den Dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts größten Zeche des Ruhrgebiets: die Schächte 1/2 (mit dem Abteufen des ersten Schachtes wurde 1847 begonnen) und der Zentralschacht 12, Gebäude von 1928, Stahlskelettrasterbauweise mit vorgehängtem ausgemauertem Stahlfachwerk; inzwischen durch im Stil angeglichene Gebäude und Anbauten für die neuen Zwecke geschickt ergänzt. Die Gebäude enthalten jetzt neben dem Designerzentrum NRW eine Reihe von Kunstwerkstätten, -ausstellungen, eine Veranstaltungshalle und Gastronomie. Doppelbockgerüst von den gleichen Architekten (Schupp/Kremmer), häufig nachgeahmt.

Führungen: jeden Samstag 14.00 und 16.00 Uhr, jeden Sonntag 11.00, 14.00 und 16.00 Uhr; Dauer: ca. 2 Stunden; 5,-- DM pro Person; strapazierfähige Kleidung und festes Schuhwerk empfohlen; Treffpunkt: Pförtnerhaus der Zeche Zollverein, Gelsenkirchener Str. 181, 45309 Essen (Stoppenberg); Anmeldung und Information: Bauhütte Zeche Zollverein, Tel. 0201 301050 oder samstags/sonntags Pförtnerhaus 0201 3010540

Auf dem gleichen Gelände liegt die Kokerei Zollverein, in der 1999 im Rahmen der IBA Internationale Bauausstellung Emscherpark die Ausstellung "Sonne, Mond und Sterne" stattfand (wird 2000 in veränderter Form gezeigt). Die Kokerei kann ebenfalls besichtigt werden.
 
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Berne

Die Berne ist ein Nebenfluß der Emscher. 1654 bezeichnete ein reisender Autor die Berne als einen ‚vertrockneten Arm‘. Das Berneufer trug die Stadtmauer von Essen. Später gab es wieder mehr Wasser.

‚Die Berne ist ein kurzes, aber kräftiges Flüßchen‘, schrieb der Rheinisch Westfälische Anzeiger am 31.3.1906. Allein in Essen (damals noch ohne Altenessen und die heutigen nördlichen Stadtteile Borbeck usw.), durchfloß die Berne vier Teiche und an ihr lagen fünf Mühlen. Da lag der Dreißigjährige Krieg zwischen Essen und Altenessen schon ein paar Jahre zurück; er dauerte von 1869 bis 1899. 1899 wurde der Stadt Essen die Verunreinigung der Berne und das Verursachen von Überschwemmungen verboten. Die Essener Abwässer flossen natürlich weiter in die Berne und wurden durch Altenessen getragen, aber 1899 kam es zur Gründung der Emschergenossenschaft. Das tat der Berne als Fluß nicht besonders gut, sie wurde ein Abwasserkanal, aber der Wirtschaft und den Bewohnern des Gebietes.

Wir überqueren die Berne auf der Lierfeldstraße (die Berne ist das westliche Gewässer von den beiden, die überquert werden).

Für unsere Radtour spielt das Flüßchen keine weitere Rolle. Trotzdem der Hinweis, dass sie auf Altenessener und Borbecker Gebiet ebenfalls mehreren Mühlen ihre Kraft gab: mindestens der "Borbecker Mühle" und einer Walkmühle, die nördlich unserer Route auf der anderen Seite der Bahn lag (An der Walkmühle) (eine Walkmühle walkt Wollstoffe, das heißt, unter Druck, Wärme und Feuchtigkeit wird das Gewebe verfilzt und erhält Festigkeit).
 
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Borbecker Mühlenbach

Einer der großen von Süden nach Norden fließenden Bäche des Ruhrgebietes. Der Bach mündet auf der anderen Seite der Bahn nur wenige hundert Meter entfernt in die Berne. Die Berne hat, die unsere Radtour in der Nähe des Bahnhofes Altenessen überquert während sie ebenfalls in Süd-Nord-Richtung fließt, macht kurz nach der dortigen Querung eine Wende nach Westen. Sie verläuft eine Weile parallel zur KME, allerdings etwa 800 m nördlich, und fließt zwei Kilometer weiter ihrerseits in die Emscher (die Mündung berührt unsere Route nicht).

Auf die Straßennamen, die an Mühlen am Borbecker Mühlenbach erinnern, wird an anderer Stelle eingegangen.
 
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Deininghauser Bach

Der Deininghauser Bach ist ein wichtiger Bestandteil des ökologischen Umbaus des Emschersystems. Weitere Bäche, die zum Umbau vorgesehen sind, sind der Schwarzbach in Gelsenkirchen, der Dorneburger Mühlenbach (oder Dorneburger Bach) in Herne (auf Eickeler und Wanner Gebiet) und der bereits umgebaute Läpkes Mühlenbach in Essen–Frintrop an der Grenze zu Oberhausen (

Zum Deininghauser Bach wird der Text des Informationsschildes der Emschergenossenschaft, das in der Nähe der KME steht (stand, durch Vandalen größtenteils zerstört), größtenteils zitiert:

"Der Deininghauser Bach unterquert eine ganze Reihe von Straßen und Wirtschaftswegen sowie zwei Eisenbahnlinien. Die vorhandenen Durchlässe und Brücken sind äußerst knapp gehalten, ihre Abmessungen richten sich nach dem alten, sehr schmalen Profil des früheren Schmutzwasserlaufs. Für einen Bach, der sich selbst entwickeln soll, reichen sie nicht aus. Die Dämme der Eisenbahnstrecken stellen außerdem Barrieren in der Landschaft dar.

Im Zuge des naturnahen Umbaus wird ein auf ganzer Länge offenes Gewässer entstehen (der Oberlauf, südlich der Stelle, an der wir den Bach dicht neben der KME passieren, ist bereits fertig). Die Brücken, die dafür erneuert werden müssen, sollen sich in ihrer Gestaltung ähneln. Merkmale dieser "Brückenfamilie" sind z.B. stets gleiche rotbunte Klinker zur Verkleidung der Widerlager und die gleiche Gestaltung der Geländer. Entsprechende Materialien werden auch für die Betriebsgebäude über den Regenbecken verwendet. Nach Größe und Bedeutung unterscheiden sich die Mitglieder dieser "Familie" allerdings erheblich. Der wichtigste und schwierigste Neubau wird die 20 m lange Brücke der KME sein, deren Bau zur Zeit (2000) geschieht. Für die Erneuerung des Bauwerks soll der Zugverkehr nicht unterbrochen werden. Für den Deininghauser Bach und den begleitenden Fuß– und Radweg wird ein 8 m breiter Durchlaß entstehen."

Beim naturnahen Umbaus des Baches sind riesige Regenbecken unterirdisch entstanden bzw. entstehen noch. Man kann im dichtbesiedelten Industriegebiet nicht einfach den Bach wieder sich selbst überlassen. Das Gelände des früheren natürlichen Bachs ist im Laufe der Jahrzehnte unterschiedlich durch den Bergbau abgesenkt. Der Abwasserbach, der an die Stelle des natürlichen Bachlaufes getreten war, verlief in einer Betonrinne, die über Vertiefungen im Gelände einfach hinweggeführt wurde. Außerdem war der Deininghauser Bach in seiner natürlichen Form nicht nur ein Segen für die Umgebung. Er suchte die Menschen immer wieder mit schweren Überschwemmungen heim. Hätte man also den Bach mit seinen natürlichen Quellen und Zuflüssen wieder völlig sich selbst überlassen, so wäre eine Teichlandschaft überstanden, aus der die ganze Umgebung wieder regelmäßig überschwemmt worden wäre.

Der Deininghauser Bach fließt von seiner Quelle in der Nähe der ehemaligen Zeche Graf Schwerin in Castrop–Rauxel im Ortsteil Schwerin erst ein paar hundert Meter nordöstlich und stürzt sich dann, nördlich gewandt, fast gradlinig das Tal hinunter, in das wir den Blick haben, wenn wir an der Stelle stehen, wo der Bach die KME unterquert (der Blick hält jedem Vergleich mit den bekanntesten deutschen Urlaubslandschaften –stand). Hinter der KME verschwindet er in einem insbesondere für uns mit den Fahrrädern fast unzugänglichen gemischten Bruch–, Brach– und Waldgelände (urwaldähnlich), fließt dort westwärts, macht dann einen scharfen Knick, fließt entgegen seiner Ursprungsrichtung nach Südosten. Wir überqueren den Bach mit dieser Fließrichtung auf dem Schwarzen Weg. In der Ortslage der Siedlung südlich der Victorstraße ist der Bach teilweise verrohrt, für uns nicht mehr wahrnehmbar. Wir überqueren ihn aber noch zweimal: einmal auf dem Wege über die Victorstr., kurz vor (auf dem Wege zum Castroper Hauptbahnhof) bzw. kurz hinter dem Friedhof, der ans Castroper Holz angrenzt (das ist der Wald, an dem wir an dem Ende der Victorstraße entlang fahren, das in den Westring mündet). Und zuletzt oder zuerst überqueren wir den Deininghauser Bach direkt mit der Querung der KME im Zuge des Westrings in Castrop–Rauxel. Der Bach fließt inzwischen südwestlich und mündet 200 m weiter in den Landwehrbach um mit ihm weiter zur Emscher zu fließen.

Wer sich mehr für die Bäche dieser Gegend interessiert, den Salzbach zum Beispiel, der mit dem Deininghauser Bach nördlich der KME zwischen Schloß Bladenhorst und dem Castroper Hauptbahnhof in Verbindung steht: eine Beschreibung steht in Castrop–Rauxeler Heimatbuch von 1950. Gleichzeitig läßt sich Haus Vörde entdecken, ein etwas heruntergekommens Barockbauwerk, das von der nahen Chemieindustrie fast in den Rhein–Herne–Kanal gedrückt worden wäre, den Jahrhunderten aber trotzdem standgehalten hat.

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Dreimännereck

Herne-Wanne-Eickel, an der nordwestlichen Ecke der Eisenbahnunterführung Hauptstraße

Hier standen früher drei Männerfiguren, die heute im Heimatmuseum aufbewahrt werden: ein Bergmann, ein Schiffer und ein Eisenbahner. Diese drei Berufe prägten früher die Stadt Wanne-Eickel, der Bergbau sowieso, die Schiffahrt durch mehrere Häfen und Schleusen, die den Rhein-Herne-Kanal säumen und die Eisenbahn mit der Köln-Mindener Strecke, der von ihr abzweigenden Emschertalbahn, die Bahnstrecke von Münster nach Essen, die Salzstrecke nach Bochum sowie weitere Industriebahnen und eine Reihe von Werkstätten brachten zeitweise bis zu zehntausend Arbeitsplätze nach Wanne-Eickel.
 
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Edmund Weber

Langjähriger Bürgermeister der damals noch selbständigen Stadt Wanne-Eickel.
 
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eineinhalbstöckige Häuser

Eine Bauart, die noch bis vor wenige Jahren im Ruhrgebiet häufig anzutreffen war und jetzt fast verschwunden ist. Die kleinen, geduckten Häuser, standen traufenständig (mit der Dachrinne nach vorne, nicht mit dem Giebel, wie man es aus Platzgründen anderwärts häufig machte) auf relativ schmalen, aber meistens tiefen Gartengrundstücken. Die große Gaube in der Mitte des Daches wird durch eine eigene Dachkonstruktion geprägt. Sie hebt die erheblich schrägen Wände auf und ermöglicht, einen für die Zeit der Erbauung des Hauses großzügigen Wohnraum zu haben, an den links und rechts Schlafräume anschlossen, die wiederum, für die Zeit nicht selbstverständlich, Fenster zu den Hausseiten hin haben. Insgesamt stellten die eineinhalbstöckigen Häuser eine der angenehmsten Wohnformen des Arbeiterwohnungsbaus dar, wenn auch sie von einer für heutige Verhältnisse unvorstellbaren Anzahl von Menschen bewohnt wurden. Zwanzig Bewohner für ein Haus dieser Größe war die Untergrenze.
 
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Eklektizismus, Historismus

Eklektizismus oder Historismus wird die Phase der Baugeschichte genannt, in der sich die Architekten fast ausschließlich der Stilelemente vergangener Bauepochen bedient haben, der Romanik (im Historismus Neoromanik), der Gotik (Neogotik), der Renaissance (Neorenaissance), des Barock (Neobarock) und des Klassizismus. Neben dem Jugendstil sind unsere Städte an Rhein und Ruhr, soweit die zwei Weltkriege etwas übergelassen haben, durch historistische Häuser geprägt. Auf alten Fotos und Postkarten sieht man die immer wieder durch spitze Turmaufsätze (die heute leider weitgehend fehlen) gekrönten Häuser mit ihren Erkern und Eckerkern, die wiederum wir hauptsächlich den Anleihen an die Renaissance verdanken.

Der Historismus begann bereits 1820, dauerte bis 1910, in Einzelfällen bis 1940.

Die Blüte des Historismus dagegen liegt zwischen 1871 (Gründerzeitbauten mit dem Geld aus der Unterdrückung Frankreichs) und 1900, wo er zunehmend vom Jugendstil verdrängt und vom Expressionismus überlagert wurde. Manchmal sind Elemente und Formen der vergangenen Epochen so geschickt verwendet, dass man auf den ersten Blick glaubt, ein älteres Bauwerk, also ein "echt" barockes Bauwerk zum Beispiel, vor sich zu haben. Dann hilft oft ein Blick auf verwendete Baumaterialien und auf die Proportionen der Stockwerke, der Fenster oder das Gesamtbild des Baus um zu erkennen, dass es sich um ein "Neo" handelt. Während uns aus der weiteren Vergangenheit meistens kirchliche oder profane öffentliche Gebäude, seltener Wohnbauten (und wenn, dann meistens Fachwerkbauten) erhalten sind, wurden die "Neo"-Gebäude meistens als Wohngebäude oder für gewerbliche Zwecke errichtet und wenn es kirchliche oder öffentliche Bauten sind, dann haben Zeitgeist und neue Arbeitsformen auf die Proportionen und Formen der neuen Häuser eingewirkt. So wirken die Neogebäude häufig grobschlächtiger, als ihre historischen Vorbilder oder sie sind unproportional in Bezug auf ihre Einzelelemente. Während die Architekten der Renaissance ihrerseits Anleihen bei der Antike machten und deren mathematische Genauigkeit nachahmten (wie auch die meisten Baumeister des Klassizismus um 1800), richteten sich die Baumeister des Historismus schon mehr an den Möglichkeiten der neuen Baumaterialien und an den Erfordernissen der modernen Zeit aus.
 
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Emscher

Wer im Ruhrgebiet wohnt, dem muß man die Emscher nicht beschreiben. Für die auswärtigen Besucher gibt es ein paar Erklärungen.

Die Emscher war in früheren Jahrhunderten landschaftsprägend. Sie war ein kurzer Fluß mit wenig Gefälle, fast schottisch in ihrer Art (im schottischen Hochland gibt es heute noch Moorflüßchen, die sich mit der Emscher im Ursprung vergleichen lassen). Die Emscher mäanderte durch das ganze heutige nördliche Ruhrgebiet, d.h., sie bildete viele lange Schleifen, floß mal nördlich, mal südlich und näherte sich ihrem westlich gelegenen Ziel, dem Rhein, nur langsam, so, als wollte sie eigentlich nie ankommen. Und die Emscher war für die an ihr gelegenen Burgen, Schlösser, Siedlungen und Gehöfte ein Fluß wie jeder andere. Sie brachte das Wasser, das lebensnotwendig war, zu den dort lebenden Menschen. Die Menschen siedelten sich gerade dort an, weil Wasser dort war.

Durch Dortmund–Mengede zum Beispiel floß Wasser der Emscher und umschloß den Kern des mehr als 1100 Jahre alten Ortes (wer sagt da immer, das Ruhrgebiet habe keine Tradition?) gerade dort, wo wir seine historische Mitte auf unserer Tour so eben streifen. Der Straßenname "Heimbrügge" gibt den Hinweis auf eine Brücke; hier befand sich bis zum 19. Jahrhundert ein Stadttor, eine "Pforte" der traditionsreichen Stadt Mengede, die im Industriezeitalter Sitz des Amtes Mengede wurde.

An einer von mehreren Stellen, an denen wir die Emscher überqueren, im Verlaufe der Franz–Schlüter–Str. (Etappe 24), sehen wir östlich der Brücke (aus Richtung Dortmund gesehen rechts, aus Richtung Mengede gesehen links) eines der Großklärwerke, welche das Schmutzwasser klären, bevor es in die Emscher fließt. Für Menschen aus anderen Regionen scheint das nichts besonderes zu sein. Abwasser wird heutzutage in der Regel immer geklärt, bevor es in die sogenannte Vorflut, den nächsten Fluß oder Bach, eingeleitet wird. Nicht so bei der Emscher: hier wurden Jahrzehnte große Mengen an Abwässern einschließlich der schlimmsten Industrieabwässer ungeklärt in die Emscher und ihre Nebenflüsse und die zu ihr führenden Bäche eingeleitet. Es gab einzelne Klärwerke entlang der Strecke, die einen Teil des Schmutzwassers vom Schlimmsten befreiten, nach heutigen Maßstäben allerdings wenig Wirkung hatten. Es gibt allerdings auch heute noch Abwasserbäche, im Volksmund "Köttelbecke" genannt, die ungeklärt die Stadtteile durchqueren und ebenso ungeklärt in die Emscher fließen.

Früher wurde das gesamte Emscherwasser vor der Einleitung in den Rhein über eine Zentralklärwerk geleitet und dort –ebenfalls für heutige Maßstäbe unzureichend– endgültig geklärt. Es hat Leute gegeben, die –verbotenerweise– die Emscher mit einem Paddelboot von der Quelle, jedenfalls von da aus, wo es möglich war, bis zur Mündung befahren haben. In Duisburg angekommen haben sie ihr Boot nicht mehr aus dem Fluß gezogen. Die Haut des Faltbootes war so von den aggressiven Substanzen im Wasser des Flusses zerfressen, das es sich nicht mehr lohnte, das Boot mit nach Hause zurück zu nehmen.

Hier bei der Emscherüberquerung sehen wir das alte Emscherbett, das der reinen Abwasserbeförderung diente und mit dem ursprünglichen Flußlauf nichts mehr zu tun hat, stillgelegt ist. Die Emscher kam hier verrohrt an, ebenso wie der Aalbach, der hier in die Emscher mündete.

Die Abwässer fließen jetzt zum vom Standort aus sichtbaren neuen und leistungsfähigen Großklärwerk und von dort aus fließt das Wasser geklärt in ein neu gebautes, allerdings ebenfalls künstliches, Flußbett.

Man ist dabei, mit zig Millionen Aufwand das System der Emscher zu verändern. Die Veränderung ist im Zusammenhang mit der Beschreibung des Deininghauser Bachs beschrieben.

Das Emschersystem ist mehr, als der Fluß Emscher selbst. Es ist ein System aus begradigten, verrohrten, vergewaltigten Bächen und kleinen Flüssen zwischen Dortmund und Duisburg. Ein Teil der Gewässer konnte näher beschrieben werden, auf andere kann der Blick gelenkt werden, wie auf den Nettebach an der Bodelschwinghstrasse in Obernette.

Allen Gewässern ist eines gemeinsam: alle dienten seit Jahrzehnten nur dem Ziel, das Industrie– und Haushaltsabwasser problemlos zur Emscher und über diese zum Rhein zu führen. Problemlos, das heißt unter Vermeidung von Überschwemmungen und über Großklärwerke, die wirtschaftlich zu betreiben waren. Der Aufbau des Emschersystems, die Gründung der Emschergenossenschaft im Jahre 1899 waren zu ihrer Zeit richtig. Das stark verschmutzte Wasser und die Hausabwässer des Industriebezirks wurden einer nach damaligem Stand vorbildlichen Klärung zugeführt. Jetzt, nach Jahrzehnten der Ausbeutung und bedingungslosen Benutzung des Systems von Bächen und Flüssen im nördlichen Ruhrgebiet gilt es zu retten, was zu retten ist.

Wir überqueren und tangieren auf dem Weg zwischen Dortmund und Duisburg alle wichtigen linken Zuläufe der Emscher. Die Köln–Mindener Eisenbahn ist bis Oberhausen in das Emschertal gebaut und folgt dem Flußlauf weitgehend. Zwischen Eisenbahn und Emscher liegen meistens höchstens 2 km, in Gelsenkirchen ausnahmsweise 4 km. Meistens jedoch ist der Fluß noch viel näher, gerade so weit entfernt, dass die Eisenbahn nicht mehr im Emscherbruch liegt. Der Emscherbruch, das war das Überschwemmungsgebiet der Emscher, eine Sumpflandschaft, von der die Alten unserer Zeit noch zu berichten wissen. Noch bis lange nach dem 2. Weltkrieg gab es links und rechts der Emscher weite Weideflächen, die so nass waren, dass sie als saure Wiesen bezeichnet wurden. Inzwischen sind die landwirtschaftlichen Flächen im Emscherbruch weniger geworden. Die Industrie ist aufgrund der besseren Baustoffe und der inzwischen sicheren Hochwasservermeidung bis an die Deiche gerückt. Im Augenblick rückt die Wohnbebauung an den Fluß, nachdem die immer noch in ihm befindlichen Abwässer nicht mehr bei Inversionswetterlagen so fürchterlich stinken, wie früher. Noch bis vor vier, fünf Jahren konnte man es generell direkt am Fluß nicht aushalten vor Gestank und Giftgestank, bei warmem Wetter und insbesondere bei Inversionswetterlagen (Luftschichten schieben sich übereinander und es gibt keinen Luftaustausch mehr) war es bis zu 500 m vom Fluß entfernt nicht mehr möglich, frei durchzuatmen. Inzwischen ist nicht nur das Wasser soweit geklärt, dass es nur noch selten und bei weitem nicht mehr so stark stinkt, wie früher. Es ist im Rahmen der IBA–Projekte auch ein Rad– und Wanderweg entlang des Flusses entstanden, der weitgehend fertig ist und noch im Jahre 2000 endgültig von Dortmund bis Duisburg durchgehend befahrbar sein soll. Das ist eine weitere Radtour wert, die keiner besonderen Beschreibung bedarf.

Die Emscherquelle liegt in Holzwickede am Ende der Quellenstraße, in der Nähe der Wasserscheide zwischen Ruhr und Emscher. Nach Holzwickede kann man mit der Bahn fahren, ab Dortmund Hbf. Züge nach Unna/Soest, RE 19 und RB 59, VRR, im Halbstundentakt. Man fährt vom Bahnhof der Beschilderung nach Schwerte nach (Bahnhofstr., Hauptstr., biegt rechts in den Lünschermannsweg, links in den Luftschachtweg, an der Ecke Quellenstr. wieder links). Zurück läßt man sich dann von der Emscher wieder bis in Bahnhofsnähe leiten, sie ist nur ein paar hundert Meter jungfräulich. Dann geht`s der alten Dame nach durch Aplerbeck und Hörde, unterhalb des Westfalenparks mit Florian und am Rande der westlichen Innenstadt Dortmunds bis zu der Stelle an der Franz–Schlüter–Str., Route 24, die oben beschrieben ist. Hier hört die Beschreibung des Emscherweges im Rahmen der KME–Route auf.

Wir wollen noch einen Blick auf die Pumpwerke entlang der Emscher werfen. Der wesentliche Unterschied zwischen der Emscher und den meisten anderen Flüssen dieser Erde ist an anderer Stelle erklärt: in der Regel fließen Nebenflüsse und Bäche zum Fluß herunter, bei der Emscher fließen einige ihrer Nebengewässer zu ihr herauf. Da sie das nicht natürlicherweise tun, muß ihnen dabei geholfen werden. Die Emschergenossenschaft hat zu diesem Zweck einige Pumpwerke errichtet. An ein paar von ihnen kommen wir auf unserer KME-Route vorbei.

Die Maschinen der Pumpwerke sind so groß, dass zu ihrem Betrieb Gebäude errichtet werden müssen. Einige dieser Gebäude sind schmucklos, insbesondere die nach dem Zweiten Weltkrieg erbauten. In den 50er/60er-Jahren hat man reine Zweckgebäude errichtet, Beton, Waschbeton mit dem Charme von DDR-Plattenbauten. Unter den zwischen den Weltkriegen errichteten Gebäuden sind dagegen einzelne archtitektonische Schmuckstücke.

Eines dieser Schmuckstücke ist das Pumpwerk Huckarde an der Lindberghstraße in Dortmund. Wir kommen daran vorbei, bevor wir in Richtung Mengede fahrend, in die Emscherallee einbiegen. In die Gegenrichtung fahrend, von Mengede nach Dortmund, müssen wir vor Unterquerung der KME auf das Häuschen achten. Es liegt etwas im Grün versteckt vor der Kulisse der Kokerei Hansa und dient der Hebung des Wassers des Mattlackgrabens auf Emscherniveau (die Emscher fließt von Mengede/Huckarde aus gesehen 200 m hinter der Linie der KME).

Das Pumpwerk Huckarde (Teilstrecke 30 der KME-Route, Dortmund–Dortmund-Mengede) ist eine Gebäude aus den 20ern mit einem backsteinexpressionistischen Einschlag. Als Besonderheit hat es ein Mansarddach, in welchem sich eine Wohnung befindet.

Ein weiteres sehenswertes Pumpwerkhäuschen ist im Verlaufe der Teilstrecke 32 Essen-Bergeborbeck–Essen-Dellwig.
 
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Emschertalbahn

Die zweite große Eisenbahnstrecke der Köln-Mindener Eisenbahn im Ruhrgebiet. Diese Strecke wurde 1868 als Frachtstrecke zur hauptsächlich zur Kohlebeförderung gebaut. Sie führt ab Dortmund über Marten, Huckarde, Merklinde, Castrop, Herne, Wanne (in Herne und Wanne wird die Stammstrecke benutzt), Schalke, Horst, Bottrop, Sterkrade, Osterfeld, Neumühl und schließt bei Meiderich an die damalige Zweigbahn Oberhausen - Ruhrort der Köln-Mindener an (alle Angaben lt. Übersichtskarte von 1880).

Durch Verlegung, Wegfall, Zusammenlegung und eindeutigere Benennung von Bahnhöfen werden heute die zwischen Dortmund und Herne die Bahnhöfe DO-Huckarde-Nord, DO-Rahm, DO-Marten, DO-Lütgendortmund-Nord, DO-Bövinghausen, Castrop-Rauxel-Merklinde, Castrop-Rauxel-Süd (das ist Castrop-Rauxel-Altstadt, also Stadtmitte), und HER-Börnig angefahren. Im weiteren Verlauf der Strecke ist Schalke mit Schalke-Nord bezeichnet gewesen, das ist der heutige Güterbahnhof GE-Schalke und Bottrop mit Bottrop-Süd, wo heute noch bedeutende Mengen Güter umgeschlagen werden.

Zwischen Dortmund und Wanne-Eickel wird seit langer Zeit Personenverkehr betrieben, bis 1995 mit Elektrotriebwagen. Diese Triebwagen wurden zentral in Wanne–Eickel gewartet, in der ETA-Halle. Diese mehr als 100 m lange Halle ist halbrund und schmiegt sich oberhalb der Berliner Str., westlich vom Wanne–Eickeler Hauptbahnhof, an den Bahndamm. Seitdem die Emschertalbahn mit Dieseltriebwagen (der Baureihe 628) befahren wird, ist die Halle funktionslos.

Die Bahn hat lange Zeit die Stillegung der Strecke betrieben und sie auf eingleisigen Betrieb zurückgeführt. Nach Einführung der neuen –komfortableren- Dieseltriebwagen gingen die Fahrgastzahlen deutlich hoch. Ein Teil der heute mit Personenfahrzeugen befahrenen Strecke ist in absehbarer Zeit zum Ausbau als S-Bahnstrecke vorgesehen (S 4). Der Ausbau läßt auf sich warten.
 
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Ev. Kirche Alstaden

Neoromanische Kirche mit Jugendstileinfluß. Hallenkirche mit Tonnengewölbe. 1905 erbaut. Nach Kriegsschäden 1950 künstlerisch wertvoll gestaltete Chorfenster. Plastik, Friedenstaube über dem nördlichen Eingang; moderne Plastik, Darstellung der Dornenkrone über dem Hauptportal. Pietistische Gemeinde.
 
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Expressionismus

Expressionismus in der Architektur hat mit dem in der Malerei Berührungspunkte: sein Beginn lag in Deutschland etwa zeitgleich Anfang des Jahrhunderts, etwa um 1905 (in der Literatur wird häufig behauptet, der Beginn des Expressionismus in der Architektur wäre 1910 gewesen; das ebenso falsch wie die Behauptung, sein Ende wäre 1925 erreicht gewesen) und seine Formen sind stark im Ausdruck und häufig flächig, Diese Flächigkeit ist im Jugendstil insbesondere bei größeren öffentlichen Gebäuden ebenfalls anzutreffen. Jugendstilgebäude können flächige Elemente haben, der Jugendstil selbst ist aber nicht unbedingt expressionistisch.

Eine Sonderform des Expressionismus in der Architektur ist nach 1920 der Backsteinexpressionismus, der seine Blüte zwischen 1925 und 1930 hatte und schwerpunktmäßig an Rhein und Ruhr seine Zeugnisse hinterlassen hat. Manchmal versteckt sich diese Bauweise unter Putz: die Formen sind erkennbar, die rustikale Note des Backsteins fehlt (z.B. Treibstr. 3 in Dortmund).

Nach 1933 sind noch Häuser gebaut worden, denen man die Handschrift der Architekten des Backsteinexpressionismus ansieht und die den backsteinexpressionistischen Häusern ähneln. Die Formen sind deutlich einfacher und flacher, die eigentlichen expressionistischen Ausdrucksformen sind verschwunden.

Expressionistische Elemente sind, nachdem sie in der Nazizeit verboten waren, vereinzelt in den Fünfzigern in der Architektur wieder aufgetaucht und noch vereinzelter bis in die Siebziger Jahre hinein.
 
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Fahrradstationen

Es gibt an einigen Bahnhöfen Fahrradstationen. Diese haben verschiedene Dienstleistungsangebote: Verleih, Aufbewahrung/Bewachung, Reparatur, Waschen. Die Öffnungszeiten und Konditionen differieren.

Stationen gibt es an unserer Strecke:

Castrop–Rauxel Hbf.

Oberhausen Hbf.

Wanne–Eickel Hbf.
 
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Faschistischer Baustil

Der faschistische Baustil feierte seinen Höhepunkt natürlich in der Zeit der Naziherrschaft. Wir haben im Ruhrgebiet zum Glück nicht viele Beispiele für seine Auswüchse. Eines der wenige Beispiele ist das ehemalige Berglehrlingsheim an der Ackerstr. in Herne. Es sieht einer Kaserne ähnlicher, als einem Wohnhaus für gerade aus der Wärme des Elternhauses gekommene junge Leute, die einen Ersatz für die vermißte Geborgenheit brauchen. Der Stil verdeutlicht, dass hier für Massen Manneszucht vermittelt werden sollte; jeder menschliche Bezug fehlt.
 
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Gotik

In Deutschland die Zeit zwischen 1200 bis ca. 1500. Architektonische Zeichen: hohe, schlanke Häuser, fast immer Fachwerk; zierdelose Treppengiebel; Kirchen mit schmalen, hohen Fenstern mit filigranen Säulen, hohe, schlanke Türme mit ebenfalls filigranen Ornamenten; gezackte oder mit einer langen Reihe von kleinen Bogen verzierte Friese, häufig am Drempel, also knapp unterhalb der Dachtraufe).
 
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Gründerzeit

Die Gründerzeit im engeren Sinne war die Zeit nach dem für Deutschland gewonnenen Krieg gegen Frankreich 1870/71 bis kurz vor dem ersten Weltkrieg. In dieser Zeit stand in Deutschland u.a. in Folge der Benachteiligungen Frankreichs besonders viel Geld zur Verfügung. Mit diesem Geld bauten die "Gründer" Fabriken, Verwaltungsgebäude und Wohnhäuser für sich in pompöser Weise. Zechen glichen Schlossanlagen (Zeche Zollern in Bövinghausen), Verwaltungsgebäude erinnern an Barockschlösser (z.B. das ehemalige Verwaltungsbebäude des Bergwerks Zollverein in Essen, Bullmannaue 11), Wohnhäuser sollten mit ihrer gewaltigen Erscheinung sogar Barockschlösser in den Schatten stellen (Villa Hügel in Essen, nicht an der Radroute gelegen). Viele dieser Architekturwerke gerieten eine Nummer zu groß, der Neobarockschmuck überdeckt jede eigenständige Note des Architekten, die Proportionen, die Quader an Ecken und die Ausprägung von Eingangsbereichen und Fensterfronten sind architektonischer Ausdruck des Kanonenbootdenkens der Zeit. Der Nationalismus blühte üppig und der Faschismus blickte bereits durch die Gestaltung der Gebäude. Die schönsten Ausdrucksformen hatte der mit der Gründerzeit einhergehende Historismus bei schlichteren Wohnbauten, für Arbeiter und in erster Linie für Bürger und Händler gebaut (in den komfortableren Häusern wohnte der Hausbesitzer, häufig Betreiber des im Erdgeschoß gelegenen Geschäftes, in 1. Stock direkt über dem Geschäft; dort waren häufig die prächtigeren Stuckverzierungen angebracht).

Die Landwirtschaft nahm am Bauboom der Gründerzeit teil. Eine Vielzahl von Gebäuden wurde hauptsächlich zwischen 1872 und 1885 errichtet. Diese Gebäude sind gemäßigt historistisch. Die Wirtschaftsgebäude, Ställe und Scheunen, haben meistens einen Fries, der an gotische Bauten erinnert. Manche Wohngebäude sind ebenso gestaltet, andere sind klassizistisch gebaut. Die Hofstellen sind in der Regel wesentlich älter, nur die Gebäude wurden neu errichtet.

Zwei Beispiele für solche Gehöfte haben wir an unserer Route im Weichbild der ehemaligen Kokerei Hansa, am Mooskamp und an der Wiemer Str.. Ausgerechnet hier, wo wir am Verlauf der Route studieren können, wie die Industrie die Landschaft verändert, dörfliche Strukturen zerschlagen und Bergmannssiedlungen mit dörflichem Charakter entstehen lassen hat (z.B. die Kolonie Adolf von Hansemann 1898/1900; gut zu sehen um den Luisenplatz, Tour Nr. 24), ausgerechnet hier haben sich auf engem Raum gleich zwei Gehöfte erhalten, die allerdings beide nicht mehr landwirtschaftlichen Zwecken dienen. Aber nicht der industrielle Umbruch des 19. Jahrhunderts hat es geschafft, den landwirtschaftlichen Betrieb zu beenden, sondern die Entwicklung in der Landwirtschaft insbesondere in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit rasanter Mechanisierung und steilem Anstieg der Hofgrößen. S. auch unter Strukturwandel
 
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Hauptpost Oberhausen

Die Hauptpost in Oberhausen, rechts am Willy-Brandt-Platz gelegen, wenn man aus dem Hauptbahnhof kommt, mit der Adresse Poststr. 1, ist unter mehreren Gesichtspunkten sehenswert. Sie schließt den Platz städtebaulich nach Westen ab, wurde allerdings schon 1910 gebaut, mehr als zwanzig Jahre, bevor das heutige Bahnhofsgebäude und der gegenüber dem Hauptbahnhof liegende Bau des ehemaligen Hotels Ruhrland gebaut wurden.

Das Gebäude war für sein Baujahr ein fortschrittlicher Bau: es zeigt bereits Tendenz nur Moderne, deren Blüte erst zehn Jahre später begann, etwa zwischen 1920 und 1925. Das Gebäude wirkt schlicht und zweckmäßig. Es fehlen noch die Schmuck- und Gliederungselemente, die der Fassade wahrscheinlich hinzugefügt worden wären, wäre es ein paar Jahre später gebaut worden.

Zur Poststraße hin sind klassizistische Merkmale zu erkennen: einem breiten Mittelrisalit, der selber völlig ausgewogen ist, sind links und rechts zwei gleiche Flügel zugeordnet. Der vorgelagerte Balkon ist gleichzeitig Schmuckelement und konstruktives Merkmal: er liegt auf Konsolen, die von den Zügen der innen liegenden großen Schalterhalle gebildet werden. Das Untergeschoß ist expressionistisch geprägt: flächige Steinquader. Und eine kleine Anleihe an den Historismus gibt es noch zu sehen: über dem Eingang Poststr. 1 ist eine Kartusche, die u.a. Akanthusranken zeigt. Die Kartusche ist rechteckig und zeigt damit den Trend zur Moderne (in der Blütezeit des Historismus wäre sie oval und wesentlich ausgeprägter gewesen). Das Bild zeigt als Postsymbol eine Brieftaube.

Früher trug das Gebäude über dem an Ecke liegenden Haupteingang einen Reichsadler und die Inschrift "Kaiserliche Post".
 
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Heilig Geist Kirche

Wir werden hauptsächlich auf die Kirchen aufmerksam und aufmerksam gemacht, die irgendwie spektakulär sind, besonders alt, kirchen- oder kunsthistorisch besonders wertvoll sind. Sie liegen häufig in (heutigen) Erholungsgebieten, in kleinen Orten oder in den ganz großen oder ganz bekannten Städten. Diese Kirchen kennt jeder.

Dann sind da noch die vielen historistischen und wenige Jugendstilkirchen, gerade hier im Ruhrgebiet. Diese Kirchen wurden im Zuge der Industrialisierung erforderlich, gebaut und erweitert. Die gehören zu den alten Stadtteilen, wie das Hemd zum Anzug. Man kennt sie, aber man geht dran vorbei, wenn man nicht gerade hineingeht.

Wer aber weiß schon, dass in Deutschland zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und ca. 1980, in nur 35 Jahren also, mehr Kirchen gebaut wurden, als in den vierhundert Jahren vorher, also etwa zwischen 1450 und 1950? Solche neuen Kirchen liegen hier bei uns im Ruhrgebiet hauptsächlich in den Trabantenstädten und in den neuen Wohnsiedlungen, die vorwiegend zwischen 1950 und 1970 gebaut wurden. Seltener sind diese neueren Bauten in den gewachsenen Ortsteilen anzutreffen und noch seltener als wirkliche Neubauten. In den gewachsenen Ortsteilen sind sie manchmal Ersatzbauten für von Bergschäden beeinträchtigte Kirchen oder als ganz oder teilweiser Ersatz für kriegszerstörte Bauten (manchmal blieb der Turm erhalten, während das Langhaus zerstört wurde).

Die Heilig Geist Kirche in Essen-Katernberg ist einer der Kirchenneubauten nach dem Zweiten Weltkrieg in einem in den hundert Jahren zuvor gewachsenen Ortsteil. Sie wurde zwischen 1953 und 1957 gebaut; der Architekt war Gottfried Böhm aus Köln. Die Kirche ist zeltartig gestaltet. Das entspricht dem Zeitgeist. Die früher üblichen Langhäuser werden durch Zentralbauten ersetzt.

Die Kirche ist 1987 durch Glasvorhänge von Joachim Klos aus Hinsbeck ergänzt worden.
 
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Herne Bahnhof

Der Herner Bahnhof erstrahlt seit 1999 in einer Pracht, wie er sie seit seiner Erbauung nicht mehr hatte. Das 1914 in der ausgehenden Zeit des Jugendstils erbaute Gebäude ist als Jugendstilgebäude folgerichtig nicht ohne weiteres erkennbar. Jegliche Verzierung zum Beispiel, die auf den Jugendstil hindeuten würde, fehlt. Die Formen lassen sehr geübte Beobachter den Jugendstil erkennen. Ein Merkmal ist zum Beispiel die Haube des Hauptgebäudes, das die Form eines Tempelchens hat. Es gibt allerdings auch schon Merkmale des Übergangs zur Moderne, die Verzierungen an der Vorderseite (zum Taxenplatz gewandt) des Gebäudes. Das Gebäude steht also stilistisch zwischen den Bauepochen des Jugendstils und der Moderne.

Sehenswert: künstlerische Verglasung (1952) des Ostfensters (über dem Ausgang zum Taxiplatz) der Bahnhofshalle, mit Bergbaumotiven von Jupp Gesing, einem bedeutenden Herner Künstler. Die Verglasung stand zwischendurch über 20 Jahre im Museumsmagazin, hatte bereits Schaden genommen, konnte aber nach gemeinschaftlichen Bemühungen der Herner Öffentlichkeit und der IBA und der Bahn (oder umgekehrt, nur der schöne Erfolg entscheidet) restauriert werden. Die nördlichen Fenster der Halle sind mit an den Jugendstil erinnernd gestalteten Gläsern geschickt ergänzt worden.

Die städtebaulich interessante Ladenzeile vor dem Bahnhof (zur Stadtmitte hin) hatte früher einen Arkadenabschluß an der Ecke zur Bahnhofsbrücke. Dieser fiel der Erneuerung der Ecke und der Öffnung zur Stadt hin Ende der 60er/Anfang der 70er zum Opfer.

Die Bahnsteigüberdachung in Schmetterlingsform, original aus der Bauzeit erhalten, ist sehenswert.

Der Bahnhof einschl. der Ladenzeile und die Bahnsteigüberdachung sind denkmalsgeschützt.
 
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Hövelstraße

August Freiherr von Hövel; Landrat des Kreises Essen 1870-1899
 
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Internationaler Stil

Dieser Baustil bildete sich für öffentliche und Bürobauten in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts weltweit. Große relativ gesichtslose Fronten mit scheinbar endlos sich wiederholenden Fenstern wurden gebaut. Meistens als Hochbauten, gar Wolkenkratzer, ausgeführt haben diese Häuser häufig Stahl- und Glasfassaden, einen curtain wall, einen Vorhang. Hinter diesem Vorhang können die Räume nach reinen Zweckmäßigkeitsgesichtspunkten angeordnet werden, nach außen bleibt der Bau immer gleich aussehend. Große, kleine Büros, Großraumbüros, tiefe Räume, Ausstellungshallen, alles ist innerhalb der Bauten möglich. Auf äußere Gestaltungsmerkmale, wie sie fast alle anderen Baustile aufweisen, wird fast ganz verzichtet. Die Fassaden sind weder vertikal gegliedert noch tragen sie irgendwelchen Schmuck, es gibt keine vor- oder zurückspringenden Fassadenteile. Hin und wieder sind horizontale Gestaltungsmerkmale mit einem Wechsel des Materials zu beobachten, z.B. sind Zwischengeschosse mit Verblendungen oder mit undurchsichtigem Glas zu sehen, der Bau ist aufgeständert, unten drunter kann geparkt werden und die Technik ist in einem besonders gestalteten Obergeschoß untergebracht (Aufzugsmaschinen, Klimaanlagen u.ä.). Bei kleineren Bauten ist der Stil nicht so eindeutig nachweisbar, sie sind vom Zeitgeist jedenfalls geprägt. Internationaler Stil und Brutalismus mischen sich. Brutalismus hat nichts brutales, jedenfalls ist das Ansichtssache im wahrsten Sinne des Wortes. Der Begriff geht auf die französische Bezeichnung für Sichtbeton zurück (béton brut) und entstand zeitgleich mit dem Beginn des Internationalen Baustils. Der Beton bleibt nach dem Entfernen der Verschalung offen sichtbar. Häufig werden extra grob gemaserte Verschalungsbretter verwendet, deren gespiegelte Maserung als Gestaltung des Betons dient. Sichtbeton ist in öffentlichen Bauten nicht nur an der Fassade, sondern auch innen anzutreffen. Bei Wohnbauten sind manchmal einzelne Gestaltungselemente, wie Balkonfassaden, in Sichtbeton ausgeführt.
 
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Jugendstil

Im französischsprachigen Bereich Art Nouveau genannter, die gesamte Bildende Kunst, nämlich Architektur, Malerei, Graphik, Plastik und Kunstgewerbe erfassender Stil, hauptsächlich zwischen 1890 und 1914, vereinzelt bis in die Zwanziger Jahre hinein und in den Neunzigern des 20. Jahrhunderts wieder auftauchend (hauptsächlich kunstgewerblich). Viele Künstler empfanden sich als Revolutionäre, z.B. die Wiener Schule (Sezessionismus). Im Ruhrgebiet sind neben den eher versteckt vorhandenen Zeugnissen kunstgewerblicher Art, Schmuck und Einrichtungsgegenstände, eine Vielzahl von Häusern mit Jugendstilelementen vorhanden. Diese Häuser stehen ebenso wie die Vielzahl historistisch (eklektizistisch) geprägten Häuser, meistens Häuser mit Wohnungen für Arbeiter und Kleinbürger, früher häufig im Erdgeschoß mit Ladenlokalen oder Kneipen und Hausbesitzerwohnung im ersten Stock, eher im Schatten sowohl der Denkmalschützer als auch der Kunsthistoriker. Wenn Kunst und Wissenschaft den Blick auf die "Zentren des Jugendstils" werfen, kommt das Ruhrgebiet nicht vor, zumal hier die bekannten Architekten der Jugendstilzeit (z.B. Joseph Maria Olbrich und der ebenfalls in Deutschland tätig gewesene Belgier Henry van de Velde) nur wenig tätig wurden, so in Hagen (Hohenhof und Karl-Ernst-Osthaus-Museum). Entlang der KME fehlen spektakuläre Bauten des Jugendstils entweder von vornherein oder sind zerstört und allenfalls verändert wieder aufgebaut worden. Dabei gibt es trotz der grausamen Zerstörungen unserer Städte im zweiten Weltkrieg und der fast nicht minder zerstörerischen Flächensanierung der Sechziger und Siebziger Jahre tausende von Zeugnissen der Tätigkeit öffentlich unbekannter Architekten in den Ruhrgebietsstädten und viele der Häuser sind mehr als einen Blick wert. Die Fassaden sind häufig mit stilisierten Blättern und Ranken, manchmal mit abstrakten Formen, wellig oder gebogen, seltener mit Frauenköpfen und hin und wieder mit muschelartigen Verzierungen versehen. Die Renovierung vieler Häuser in den letzten zwanzig Jahren, häufig zusätzlich die farbige Gestaltung, lassen diese Verzierungen deutlicher hervortreten, als es beim Neubau gewesen sein mag. Manchmal sind ganze Bauelemente, Balkons oder Balkongitter, Dächer oder Gauben sowie Erker in Formen des Jugendstils gestaltet oder die Fassade ist mit solchen Formen durchgegliedert. Manchmal sind noch die originalen Haustüren mit Jugendstilornamenten vorhanden, seltener Fenster mit Jugendstilformen (z.B. Dynamik ausdrückende oder natürliche Formen abstrahierende, gebogene Fensterkreuze oder durch gestaltete Hölzer unterteilte Glasscheiben, farbige oder ebenfalls mit Formen des Jugendstils gestaltete grüne oder, dann meistens wiederum stilisierte natürliche Elemente darstellend, bunte Gläser, häufig bei Oberlichtern). Ebenfalls häufig sind die Jugendstilelemente durch eklektizistische Elemente überlagert oder mindestens von ihnen durchmischt. Und manchmal haben Jugendstilbauten "dekorativistische" Elemente, das sind deutlich handwerkliche Bauteile, zum Beispiel teilweise Verwendung von Fachwerk und schmiedeeiserne Gitterchen, die keinerlei konstruktiven Grund haben. Die Häuser wurden damit einerseits dekoriert, andererseits waren diese Elemente Ausdruck des Protestes gegen industrielle Bauweisen mit Stahlbeton, der seinerzeit erst seit kurzer Zeit verwendet wurde, wie überhaupt der ganze Jugendstil mit seinen naturbezogenen Formen sich zum Teil gegen diese Entwicklung wandte (der Ausdruck "Jugend"-Stil ist eigentlich irreführend; er stammt von der in München verlegten Zeitung "Jugend"), zum anderen Teil war der Jugendstil als Gegenbewegung zum Historismus zu sehen, was allerdings hier im Ruhrgebiet in der Architektur nicht deutlich wird, weil sich die Stile stark überlagern. Die Architekten haben sich der Formensprache ihrer großen Vorbilder bedient und gleichzeitig historistische Elemente noch bis in die Zwanziger Jahre hinein weiter verwandt. Die Baumeister dieser Zeit hatten im Ruhrgebiet durch das fast völlige Fehlen großer Aufträge von Millionären, Unternehmen oder öffentlicher Auftraggeber und andererseits eine Vielzahl von Aufträgen für einfachere Häuser offensichtlich nicht die Zeit, in größerem Umfang eigene Formen zu entwickeln und Bauten so durchzugestalten, dass sie von jemand, der mit der Formensprache vertraut ist, sofort als Werk eines bestimmten Architekten erkannt werden (wie das zum Beispiel bei Bauten von van de Velde der Fall ist). Der Übergang zur Moderne dagegen ist im Ruhrgebiet häufiger an öffentlichen und privaten Großbauten, Schulen und Kaufhäusern, zu studieren.
 
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Kattenstert

Einer der wenigen Fälle eines plattdeutschen Straßennamens. Kattenstert heißt Katzenschwanz.

Die Straße heißt nach dem Hof Kattenstert. Der Hof wurde 1460 erstmalig erwähnt und liegt am Ende der zwei Teile der heutigen Straße "Kattenstert" im Hintergrund (wir passierten zwei Einmündungen des Kattensterts, die jeweils Sackgassen sind). Die heute dort stehenden Hofgebäude sind allerdings deutlich jüngeren Datums.
 
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Kewer, Ludolf

Alstadens einziger Bürgermeister, wie es in einer Publikation des Bürgerrings Oberhausen-Alstaden 1950 e.V. heißt. Alstaden hat bis 1904 zur Bürgermeisterei Styrum gehört und war danach bis zur Eingemeindung nach Oberhausen 1910 selbständig (s. Alstaden). In dieser Zeit war der 1857 geborene und 1923 in Münster verstorbene Ludolf Kewer Bürgermeister der Landbürgermeisterei Alstaden.
 
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Kindersolbad Alstaden

1872 trat in der Zeche Alstaden auf Schacht I in 289 m Tiefe eine salzhaltige Quelle mit 5 % Salzgehalt hervor. Das Wasser wurde zunächst wie das normale Grubenwasser hochgepumpt und in die Ruhr geleitet. 10 Jahre später gab es dann eine zweite Quelle auf Schacht II in 331 m Tiefe, die 12 % Salzgehalt hatte. Nun überlegte man, ob die Sole für ein Heilbad nutzen sollte. Es wurde schließlich die schwächere Sole genutzt. In unmittelbarer Nähe der Zeche, in einer Kneipe mit dem Namen "Gesellschaft Erholung" wurde zunächst 1884 ein kleines Heilbad eröffnet und 1888 gründete der "Verein Kindersolbad Alstaden" eine Heilanstalt für Kinder unbemittelter Eltern, und zwar wieder in einer Kneipe, der nahegelegenen Gaststätte Burggrafenhof. Das Solbad lag etwas südlich Einmündung der heutigen Haldenstraße (damals Schillerstraße) auf dem Gelände des heutigen Ruhrparks. Schräg gegenüber befand sich Schacht I der Zeche Alstaden. Zwischen 1889 und 1908 kurten dort 6.000 Kinder, mitten im Industriegebiet und zwischen den Eisenbahnlinien.
 
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Klassizismus

Hier geht es um den Klassizismus als Baustil. Andere Entwicklungen, wie zum Beispiel die Aufklärung (die etwa zeitgleich mit dem Klassizismus im engeren Sinne liegt), Entwicklungen in der bildenden Kunst usw. müssen an anderer Stelle nachgelesen werden.

Klassizistische Bauten sind an ihren klaren Formen und dem absoluten Gleichmaß von Flügeln, bei der Anordnung von Fenstern und Fassaden–Gliederungselementen und ähnlichem erkennbar. Sind auf der einen Seite des Hauses drei Fenster, so sind auf der anderen Seite ebenfalls drei. Die Tür, wenn sie in der Front des Hauses ist, liegt zentral in der Mitte. Es werden immer einfache Formen nach dem Vorbild der griechischen Antike verwendet. Häufig tragen selbst einfache Häuser einen Mittelrisalit (das ist ein senkrechter Fassadenvorsprung über die ganze Fassade, welcher diese gliedert), häufig zusätzlich mit einem Frontispiz (das ist ein Giebeldreieck über dem Risaliten).

Bei uns im Ruhrgebiet sind nur wenige Bauten des engeren Klassizismus zu finden. Das ist etwa die Bauperiode zwischen 1780 und 1830 bis höchstens 1850. Man könnte diese Periode fast als Biedermeierstil bezeichnen (das Biedermeier dauerte ca. von 1800 bis 1850 an); in der Architektur gibt es den Begriff aber nicht. Jedenfalls sind die kleineren Wohnhäuser aus dieser Zeit bei uns häufig heimelig anzusehen. Sie haben kleine Fenster, was sicher nicht nur in der Sehnsucht nach Heimeligkeit begründet war, sondern schlicht in der Notwendigkeit, Heizernergie und Baumaterial zu sparen. Großbürgerliche Bauten sehen natürlich anders aus. Sie haben zum Beispiel Säulen, entweder vor die Fassade gebaut oder es werden Arkaden gebildet. Oder die Bauten sind sehr groß und mit den beschriebenen Risaliten wie Schlösser gegliedert. Manche größere Wohnhäuser aus dieser Zeit sind schloßartig gebaut (im Ruhrgebiet so gut wie nicht anzutreffen).

Der großbürgerliche Stil prägte dann auch die Formen des Spätklassizismus oder Neo–Klassizismus (die Begriffe werden beide gebraucht) in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Stockwerke wurden höher, die Fenster wurden höher, manchmal fast gewaltig und die Bauten als Ganzes wirken manchmal sogar protzig. Gleichzeitig wurde das absolute Gleichmaß nicht mehr immer eingehalten.

Im Historismus gehen die Formen des Klassizismus und/oder des Neoklassizismus –lediglich durch die heftigste Gründerzeitentwicklung überdeckt– ineinander über; nur an Merkmalen der Ausführung lassen sie sich unterscheiden. Der eigentliche Klassizismus dauerte in Deutschland nur von 1755 (so früh nur ganz vereinzelte Bauten, die Literatur nennt 1770 als Beginn) bis 1830 und seine Blüte umfaßte etwa einen Zeitraum von 50 Jahren, von 1780 bis 1830. Bereits 1820 begann der Historismus, überlappte sich also mit dem Klassizismus und überlagerte gleichzeitig die fortdauernde Anwendung klassizistischer Formen und Regeln. In der Literatur findet man auch die Bezeichnung Neoklassizismus, und zwar sowohl für die Zeit zwischen 1770 und 1830 als auch für die Zeit der Verwendung klassizistischer Formen und Regeln im Historismus. Der Klassizismus im Historismus (so kann man es am besten erklären) dauerte dann bis 1910, in Einzelfällen bis 1940 und darüber hinaus. Klassizistische Elemente wurden in der Moderne (ab 1920) ebenso verwendet wie sie in der Postmoderne (etwa ab 1980) verwendet werden. Zur Zeit feiert der Klassizismus fröhliche Wiedergeburt (falls wir aus der Zeit der Postmoderne heraus sein sollten; Bauepochen lassen sich fast nur rückblickend bestimmen), wie man allenthalben in Neubaugebieten und Industrie- und Gewerbegebieten sehen kann. Die Moderne Verwendung klassizistischer Elemente beschränkt sich allerdings auf die Formen. In frühere Bauepochen hat man antike Bauwerke mit mathematischer Genauigkeit nachzuahmen versucht, was sich auf die Kosten und den Gebrauchswert der Gebäude ungünstig auswirkte.
 
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Kloster Duissern

Der heutige Stadtteil Duissern von Duisburg hat eine lange Tradition. Duissern war jahrhundertelang eine Filialgemeinde von Duisburg, also eigentlich selbständig, aber so richtig nicht. Bei allen wichtigen Entscheidungen wurde von Duisburg aus entschieden.

Die Ecke Hansastr./Oranienstr., der heutige Duissernplatz, heißt im Volksmund "Versunkenes Kloster". An dieser Stelle stand früher ein Zisterzienser–Frauen–Kloster.
 
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Kolkerhof

Der Kolkerhof oder Kolkmannshof, heute in unmittelbarer Nähe der Bahnlinien und auf Mülheimer Stadtgebiet gelegen, war seit 1583 ein in einer Art von Erbpacht stehender Hof. Er gehörte dem Hamborner Stift. Üblicherweise wurde beim Tod des Bauern oder des Grundherrn die Landübertragung sofort beendet. Der Bauer oder seine Erben hatten keinen Rechtsanspruch, den Grund weiter zu bewirtschaften. Die Übertragung als "Leibgewinngut" gab ein vertragliches Recht auf die Erbfolge.

Das heutige Wohnhaus ist klassizistisch in einem bei uns seltenen Landhausstil. Über dem Eingang zum Vestibül, der Vorhalle, die in einem älteren Gebäudeteil liegt, ist ein schön gestaltetes Glasfenster.
 
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Kolonien

Das Ruhrgebiet ist heute stolz auf seine lange Zeit geschmähten Zechensiedlungen. Manchmal sind diese Siedlungen allerdings es Kolonien, auf die man dann weniger stolz ist. Dies sind lange Reihen von einfachsten, gleichförmigen Häusern, wie die Rolandstraße in Herne. Manchmal sind es luftige Gartenstädte, wie Teutoburgia in Herne oder die Margarethenhöhe in Essen. Als Kolonie sind es meistens eineinhalb- oder zweistöckige Kästen, jeweils zwei Häuser sind aneinandergebaut. Die Toiletten befanden sich im Hof, mit Kohlenbunkern aneinandergebaut. Manchmal waren dort auch noch kleine Ställe für ein paar Hühner. Die Hauszugänge waren (und sind manchmal noch heute) ungepflastert. In der Kolonie gab es (und gibt es manchmal noch heute) nicht einen Straßenbaum. Manche Kolonien sehen wie Szenen aus dem Film ‘1984’ aus. Die Filmreihe ‘Rote Erde’ hat im Fernsehen einen kleinen Einblick in das Leben in solchen Kolonien gegeben (Beiheft zur Filmreihe und Ausstellung s. Literaturliste). Manche der Kolonien sind schwerpunktmäßig in den letzten zwei Jahrzehnten von Einzelerwerbern aufgekauft und bis zur Unkenntlichkeit verändert, manchmal verschlimmbessert worden. Dort, wo sie einigermaßen unverfälscht erhalten sind, sind sie Zeugnisse der sozialen Verhältnisse und der Bauart der Arbeiterhäuser vor mehr als hundert Jahren. So ist z.B. die Kolonie Rolandstraße in Herne-Röhlinghausen Anfang der Siebziger des 19. Jahrhunderts errichtet und Anfang der Fünfziger des 20. Jahrhunderts ergänzt (s. dazu Arbeiterwohnungsbau...). Das Wohnhaus Rolandstr. 11 in Herne ist 1871 errichtet.
 
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Konstruktivismus

Als Konstruktivismus wird in den Lehrbüchern eine Kunstrichtung erklärt, die sich in den zwanziger Jahren, aus Rußland kommend, auf die Arbeit mit einfachen geometrischen Formen beschränkte. Die Arbeitsergebnisse sollten als Konstruktion erkennbar sein und nur als solche bestehen, eben konstruktivistisch sein. In der Architektur kommen dabei Stahl und Glas zum Einsatz und werden so eingesetzt, dass möglichst viel Transparenz entsteht.

In diesem Sinne ist die Parkplattform am Westeingang des Oberhausener Hauptbahnhofes konstruktivistisch. Hatte der Architekt vielleicht im Sinn, eine im Unendlichen endende oder eben nicht endende Brücke zu bauen, so ist hier Bauwerk entstanden, dessen Baukörper so aufgelöst erscheint, dass dem Betrachter kaum noch bewußt wird, vor einem Parkhaus zu stehen. Das Parkhaus bildet keinen Riegel vor dem Bahnhof, wie das häufig anzutreffen ist, sondern ergänzt sinnvoll die Sicht auf die Bahnsteige mit ihren Überdachungen, die ihrerseits so gestaltet sind, dass der Blick auf das aus dieser Sicht dahinter liegenden Bahnhofsgebäude erhalten bleibt.

Die Einrichtung der Nahverkehrsstraße in Oberhausen folgt ebenfalls konstruktivistischen Prinzipien. Stählerne Pylone und stählerne Fahrleitungsbrücken sind –möglicherweise konstruktionsbedingt- mit einfachen geometrischen Formen gestaltet und wirken transparent.
 
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Kotten Münstermann

Münstermann ist der Name eines Kottens, der 1668 erbaut wurde. Kotten oder, weniger gebräuchlich, das niederdeutsche "Kote", in dem der Ursprung der Benennung liegt, war ein kleines Haus. Der Bewohner war ein Kötter. Manchmal versteht man unter Kotten ein kleines ländliches Haus (Kate) und unter Kötter (Kätner) abhängige Bauern, Landarbeiter, die sich bei größeren Häusern verdingen mußten. Das ist historisch gesehen nicht zu halten. Ein Kotten war zwar gegenüber dem Hof meistens kleiner und ‚in Verbindung mit der Markengerechtigkeit‘, also bezüglich der aus dem Landbesitz entspringen Rechte, mit geringerem Recht ausgestattet, wie es in der einschlägigen Literatur heißt. Aber auch eine Kötterfamilie war immer noch eine bedeutende Familie mit Privilegien, die sie über die gewöhnlichen Bauern erhob. Das Buch von Herbert Schmitz enthält eine umfangreiche Beschreibung eines Kottens.

Die Bezeichnung Kötter findet sich häufig in norddeutschen Namen, wie Hagenkötter. Je nördlicher oder besser je norddeutscher die Stadt, desto häufiger ist zum Beispiel dieser Name anzutreffen. Das Telefonbuch von Essen enthält den Namen viermal, in Bochum taucht er schon siebenmal auf und im kleineren Herne fünfmal, also auf Einwohner bezogen fünfmal häufiger, als in Essen. Andere typische Namen, die auf den landwirtschaftlichen Ursprungsberuf der Vorfahren der Namensträger schließen lassen sind z.B. Kampkötter (Kamp war und ist manchmal noch heute das kleine Wäldchen, welches den Bauernhof umgab und das Holz zum heizen und für den Bau von Haus und Stallungen lieferte), Eikenkötter, in dem die Eiche als Eike enthalten ist, Ostenkötter, der Kötter, also der östlich wohnte, Unterkötter, der Kötter der im Talgrund wohnte. Die Verteilung aller Namen mit dem Bestandteil Kötter ist in den Städten der KME-Route ähnlich, wie beim Beispiel Hagenkötter.
 
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Läppkes Mühlenbach, Stadtgrenze Essen–Oberhausen

Diesen Bach überqueren wir auf der Dellwiger Str. zwischen den Straßen Hausmannsfeld auf Oberhausener Gebiet und Schemmannsfeld auf Essener Gebiet. Wir sehen den Bach nicht, es gibt auch keine Lanschaftsmerkmale, die noch auf ihn hinweisen. Trotzdem wird der Bach von der IBA als der erste renaturierte Bach des Emschersystems genannt. Das wird für andere Bereiche zutreffen, die unsere Tour aber nicht streift.

Läppkes Mühlenbach bildet auf ein paar hundert Metern die Grenze zwischen Essen und Oberhausen. Vom Beginn der Industrialisierung an bis zu einer gewissen Konsolidierung der Stadtgrenzen im Ruhrgebiet im Jahre 1929 gab es für Dellwig und Frintrop immer wieder Unsicherheit darüber, wer das Patronat über sie gerade ausübte und wie ihre kommunale Zukunft aussehen würde: als unselbständige Stadtteile Essens oder Oberhausens oder als Gemeinden in einem Amtsverband mit Primat der einen oder der anderen Großstadt.

Über die Mühlen, welche dem Bach den Namen gaben, ist leider nichts zu erfahren. Hausmanns und Schemmans Felder waren hier, s. oben.

s. auch Ausführungen zur Emscher
 
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Liebfrauenkirche, GE-Neustadt

Neo-Romanische Kirche, 1894-96 erbaut. Bis weit in die Jugendstilzeit hinein wurden im Ruhrgebiet eklektizistisch gestaltete Kirchen vorwiegend im neogotischen, seltener im neoromanischen Stil erbaut. Wer romanische Bauten oder –in Deutschland häufiger anzutreffen– Bauteile mit den neoromanischen Bauten vergleicht, wird feststellen, dass Neoromanik gedrungener wirkt, schwerer aussieht. Wer gelegentlich einen Ausflug zur Abteikirche St. Ludgeri in Essen-Werden unternimmt, kann unmittelbar vergleichen: St. Ludgeri ist "im Stil der rheinischen Spätromanik" erbaut (1275 geweiht), die Liebfrauenkirche in Gelsenkirchen-Neustadt "folgt Vorbildern der rheinischen Spätromanik" (beides zitiert nach Parent, s. Literaturverzeichnis). Ganz anders die nahegelegene evangelische Auferstehungskirche.
 
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List, Friedrich

Die Straße in Oberhausen erinnert nicht an den Komponisten, der hieß nämlich Liszt und außerdem Franz. Nein, Friedrich List hat mit der KME zu tun, er hat sich nämlich für den Eisenbahnbau in Deutschland und damit für den Bau der KME eingesetzt. Zu den Gründungsvätern der KME gehörte List allerdings nicht. Bei der Eröffnung der Bahnlinie im Jahre 1847 war Friedrich List schon tot, er starb am 30.11.1846 durch Selbstmord.
 
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Mansarddach

Das Mansarddach ist nach dem französischen Architekten Mansart benannt, der 1648-1708 lebte. Dieses Dach läuft nicht, wie die meisten Dächer, spitz nach oben zusammen, sondern geht mit einer stärkeren Neigung zuerst so etwa bis auf Zimmerhöhe und dann mit einer geringeren Neigung (manchmal fast nur noch 10-15 %, also fast flach wirkend) zum Spitzdach zu werden. Dieses Dach ermöglicht es, in den Dachraum Wohnräume mit fast geraden Wänden einzubauen. Solche Wohnräume wurden früher nicht sehr stark isoliert, sondern als einfache Holzeinbauten, häufig sogar mehr Verschläge als Räume, als Schlafräume für Dienstboten oder Kinder von Arbeiterfamilien, benutzt (Mansarden).
 
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Marien-Kirche, Mülheimer Str., Oberhausen

Die Kirche ist für unsere Route unter zwei Gesichtspunkten interessant: erstens entstand ihr (klassizistischer) Vorgängerbau 1855 im Zusammenhang mit dem Eisenbahnbau für die Arbeiter und Beamten der KME auf einem von der Köln-Mindener-Eisenbahn-Gesellschaft gestifteten Grundstück. Rundherum war noch Leere, die Stadt war hier noch nicht hin gewachsen. Und zweitens ist der Architekt des heute noch bestehenden neo-gotischen Baus von 1894 der gleiche, wie der Kirche St.-Maria-Rosenkranz in Essen-Bergeborbeck. Die beiden ziemlich hohen (75 m) Glockentürme wurden 1902 gebaut.

Das Innere der Marien-Kirche ist dem Dom von Florenz nachempfunden. Es ist nach schweren Kriegsschäden 1953-1957 umgestaltet worden. Die Kirche lohnt einen Umweg (man muß nur 100 m die Mülheimer Str. in südlicher Richtung, Richtung Mülheim, herauffahren, dann hat man die Kirche rechter Hand).
 
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Moderne

Jugendstil, Expressionismus und Moderne überlagern sich in der Architektur gegenseitig. Die Architekten der Moderne verzichten einerseits auf Verzierungen, die den Jugendstil prägten, andererseits bedienen sie sich manchmal klassizistischer Elemente. Sie gliedern Gebäude klar durch und verwenden betont und mit der Zeit immer mehr die modernen Baustoffe, wie Glas, Stahl und insbesondere Stahlbeton, was größere Gebäude, größere Spannweiten und damit größere und höhere Räume ohne störende Pfeiler ermöglicht. Der Beton wird oft mit Backstein kaschiert. Die Proportionen der modernistischen Häuser erscheinen gestreckter, als die vom Jugendstil geprägten. Diese Gestrecktheit wird durch aufstrebende Linien optisch gestützt, z.B. durch einen Risalit (ein Risalit ist ein vorspringender Gebäudeteil, der das Dach einbezieht), über mehrere Etagen, meistens bis zum Sockelgesims (Sims unterhalb der Dachtraufe) reichende Säulen oder entsprechende Flächen, die häufig in der Mitte des Gebäudes über mehrere Etagen reichen. Gleichzeitig werden vor allem bei größeren Gebäuden die großen Flächen durch Gesimse (waagerechte, aus der Mauer hervortretende Streifen, die meistens aus Putz bestehen) gegliedert. Soweit nicht Dreiecksgiebel verwendet werden (z.B. als Abschluß über Säulen), kommen häufig Halbkugeln oder pilzhutartige Dächer als Abschluß über Erker und Risalite, je nachdem, offenbar daran ausgerichtet, ob ein modernistisches Gebäude bzw. sein Architekt oder Bauherr noch mehr dem Jugendstil oder (schon) mehr dem Expressionismus zuneigt. Die Halbkugeln ähneln mehr den im Jugendstil verwendeten Formen, z.B. bei Tiffanylampen und Damenhüten, wie man sie auf Fotos bis in die 20er hinein sieht, und erinnern häufig an die flachen Kuppeln der in der Gartenkunst verwendeten Tempelchen während die pilzhutartigen Gebilde schon vom Volumen her eher flächiger expressionistisch wirken. Die geschwungene Pilzform könnte allerdings ebenfalls ein Ausdruck des ausgehenden Jugendstils sein, sie ist dafür aber nicht spielerisch genug. Verzierungen gibt es in der Moderne ebenfalls, allerdings in der Form strenger Ornamente, sich wiederholende Rechtecke, manchmal an den Ecken abgerundet, Ovale oder auf Vierecke gesetzte runde Formen, alles zusammen häufig friesartig wiederum als waagerechte Gestaltung großer Flächen verwendet.
 
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Neue Mitte Oberhausen

Nur ein Seitenblick auf dieses bemerkenswerte Projekt der Veränderung im Ruhrgebiet, das den Streckenverlauf unserer Route nicht direkt berührt. Die Neue Mitte mit dem CentrO als Kernbereich wurde auf einem riesigen geschundenen Gelände errichtet, das 150 Jahre lang der Industrie gedient hatte und nach ihrem Weggang nichts mehr wert war. Noch 1990 sah das Gelände wie die Rückseite des Mondes nach schweren Bombenangriffen aus; alles Leben schien ausgelöscht. Heute pulsiert das Leben hier. In unmittelbarer Nachbarschaft steht der Gasometer, den man besteigen kann. Vom Frühjahr bis zum Herbst lohnen die in ihm stattfindenden Ausstellungen einen Besuch.
 
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nicht gegenständliche Kunst

Die nicht gegenständliche Kunst stellt Farben oder Formen ohne Bezug auf einen realen Gegenstand oder einen realen Körper dar. Demgegenüber wird in der abstrakten Kunst ein Gegenstand oder ein Körper abgeleitet, aus der Sicht des Künstlers wird nur noch das Wesentliche dargestellt. Die Grenze zwischen abstrakter und nicht gegenständlicher Darstellung ist häufig selbst für Fachleute nur schwer festzustellen.
 
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Niedernette

Im Abschnitt Fernstr./Niedernetter Str. lohnt ein ruhiger Rundumblick. Wir befinden uns im Tal des Nettebachs, die Straße folgt eine Weile dem Bach und der nahegelegenen Emscher. Wir sehen eine typisch westfälische Landschaft mit ihren verstreut liegenden Gehöften, Streusiedlung genannt. Früher waren die Bauernhöfe klein, mit wenigen Morgen Land (ein Morgen ist ein altes Feldmaß und umfaßte, je nachdem wo man sich befand, zwischen etwa 2.500 m2 und knapp 4.000 m2; 15 Morgen waren eine gängige Größe, also 4–6 ha. Das bearbeitet ein Landwirt heutzutage förmlich an einem Morgen. Hofgrößen von über 100 ha sind heutzutage keine Seltenheit.).

Um 1500 waren für Ostnette, wie der Ort damals hieß, sechs Höfe genannt. Vier davon sind vom Standort aus zu sehen. Wie man die Höfe sieht? Bitte auf das weiß–schwarze Fachwerk der Wohnhäuser achten, das überall durch`s Grün schimmert; im Winter sieht man`s besser. Die Gehöfte liegen alle im Nettebachtal.

Bevor wir die Streusiedlung verlassen bzw. bevor wir aus westlicher Richtung, von Mengede her, in sie hinein fahren stehen neben der Straße, möglicherweise am ursprünglichen Bachlauf, zwei uralte, mindestens zweihundertjährige Weiden. Man kann erkennen, dass diese Bäume früher mal als Kopfweiden bewirtschaftet wurden. Heute sind sie ein Vogelparadies.
 
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Pausmühle

Die Pausmühlenstraße führt über den Pausmühlenbach. Die Steigung führt uns nur über den Bach, der früher hier die Landschaft prägte, dessen Tal man heutzutage allerdings extra suchen muß. Bekommt man keinen Hinweis, wird man achtlos vorbei fahren.

Der Bach unterquert die Straße unter dem Huckel, den diese bildet. Links und rechts sind Mauern, die den Blick ins Tal verdecken. Auf der einen Seite ist es ein kräftiges Bauwerk, das dem Wasserdruck des Hochwassers standhalten muß. Das Bachbett des Abwasserbachs, zu dem der Pausmühlenbach degradiert ist, macht an dieser Stelle eine Schikane, die der Verringerung der Fließgeschwindigkeit dient. Auf der anderen Seite verdeckt eine mit den Jahren schartig gewordene Backsteinmauer den Blick. Man muß schon herantreten und drübergucken, um einen Blick ins Tal zu haben. Es lohnt allerdings: alle Veränderungen haben die Idylle nicht völlig verdrängen können.

Der Pausmühlenbach war früher ein namenloser Bach. Der Name soll dem Volksmund entstammen; jedenfalls gab der Bach der 1813 errichteten Pausmühle ihren Namen. Paus ist der Ausdruck für Papst im Plattdeutschen. Ein Zusammenhang ist nicht erkennbar.

Volksmund und offizielle Lagebezeichnung vermischen sich in dem Namen der Straße Pausmühlenhegge, an der wir vorbeifahren. Dieser Name geht auf die alte Lagebezeichnung (Katasterbezeichnung) An der kurzen Hegge, (Hegge für Hecke), zurück. Jedenfalls haben wir hier mitten im durch die Industrie gewachsenen Wohnviertel eine Ansammlung von Straßennamen, die mit der bäuerlichen Vergangenheit dieses Fleckens zu tun haben: neben Pausmühlenstraße und Pausmühlenhegge noch Pausmühlenkamp (Kamp ist das kleine Gehölz, das noch heute manchmal Bauernhöfe umgibt; der Kamp diente als Windschutz, als Brennholzlieferant und manchmal auch als Bauholzspeicher für das Fachwerk), die Pausstraße, der Weidkamp, die Weidenstraße und jenseits der Bahnstrecke noch die Gerscheder Weiden.

Die Pausmühle wurde später vom Wasserbetrieb auf Dampf und Gas umgestellt und ist seit 1970 stillgelegt. Einige Zeit war dann noch ein Pächter vorhanden, der in der Mühle einen Futtermittelhandel betrieb. Die älteren Bewohner der Straße erzählen noch davon und das sie früher dort auch ihr Kleinvieh gekauft haben (so ein älterer Bewohner des Eckhauses Pausmühlenkamp).

Mitte der 80er Jahre wurde die Mühle abgebrochen. Heute stehen an ihrer Stelle Reiheneigenheime (Nr. 40 ff).
 
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Pietismus

Der Pietismus ist lt. Meyers Lexikon eine "Bewegung des deutschen Protestantismus im 17./18. Jahrhundert, die eine subjektive Frömmigkeit entwickelte und eine Erneuerung der Kirche zum Ziel hatte. So beruft sich auch die Ev. Kirchengemeinde Alstaden den ‚einer Alstadener Bauernfamilie entstammende Theodor von Undereyckshof (später Rolandshof an der Kewerstraße)‘, der als dritter Prediger in der Mülheim Gemeinde tätig war, zu der Alstaden gehörte. Er habe ‚seine Frucht auch nach Alstaden getragen, wo noch bis heute (1960) ein gut Teil echten pietistischen Erbes lebendig geblieben ist (Aus der Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Alstaden in: Gemeindebuch des Kirchenkreises Oberhausen, Essen, 1960, in der Oberhausener Stadtbibliothek steht ein Exemplar).

Pietisten sind bei uns im Ruhrgebiet seltener anzutreffen. Der Schwerpunkt pietistischer Glaubensrichtung in Deutschland liegt im Süden, in Schwaben.

Pietisten glauben nicht an die Rechtfertigung (
 
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Platanenalleen

Im ganzen Ruhrgebiet finden sich Platanenalleen, die schönsten häufig in der Nähe von Zecheneingängen (deren ehemalige Lage durch die schönen Bäume heute teilweise als einziges noch gekennzeichnet wird), aber auch in den Zechensiedlungen, an ehemaligen Ausfallstraßen usw.. Viele dieser Alleen sind über 100 Jahre alt. Platanen sind als Alleebäume den Pappeln, Linden, ja selbst den Robinien überlegen, weil sie auch im hohen Alter noch relativ bruchfest sind. Nachdem man die Alleen jahrzehntelang geringgeschätzt und vernachlässigt hatte, ist ihr Wert in den letzten Jahren erkannt worden. Es gibt Nachpflanzungen für fehlende Bäume und in Einzelfällen auch junge Alleen. Im Einzelfall oder wenn die Anpflanzung einer Allee an den gegebenen Verhältnissen scheitert sind einseitige Bepflanzungen anzutreffen (wie überhaupt der französische Begriff der Allee nicht unbedingt eine beidseitige Bepflanzung bedeutet, sondern lediglich eine ‚von hohen Bäumen dicht gesäumte Straße‘).
 
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Pluto

Gleich links hinter dem schienengleichen Bahnübergang Plutostr. bzw. rechter Hand davor, wenn man auf der West-Ost-Route auf der Görresstr. ankommt befinden sich die restlichen Gebäude der ehemaligen Zeche Pluto (Frühjahr 1976 stillgelegt). Hier befand sich der erste, älteste Schacht des Bergwerks, der Schacht Thies (nach dem Bergamtsassessor Thies aus Essen benannt, der die Zeche 1857 gründete).

Die Geschichte dieser Zeche und insbesondere auch dieses Schachts hängt eng mit der Geschichte der Köln-Mindener Bahnlinie zusammen, auf der zwar von Anbeginn Personenverkehr stattfand, bei der aber die Aussicht auf hohes Frachtaufkommen, hier im Ruhrgebiet eben der Kohlefracht die entscheidende Rolle für den Bau der Linie spielten. Andererseits befruchtete der Bau der Bahnlinie natürlich die industrielle Entwicklung. Links und rechts der Linie wurden Förderschächte abgeteuft, manche, wie dieser Schacht Thies, direkt neben den Schienen.

Mit dem Abteufen diese Schachtes wurde im 1857 begonnen, während die Bahnlinie 1847 eröffnet wurde. Die Investitionsentscheidung stand also im Zusammenhang mit dem Bahnbetrieb. Ein Zehnjahreszeitraum für die Investitionsentscheidung, die Finanzierung, Planung und Vergabe eines solchen Projektes war damals und ist heute nicht unüblich (manchmal geht es schneller, aber meistens eben nicht).

In der Nähe, Richtung Gelsenkirchen, um die Rolandstraße (Roland geht hier nicht auf einen Namen zurück, sondern ist eine Gewannbezeichnung) eine der Zeche Pluto zugeordnete Kolonie mit einfachen Arbeiterhäusern. Die ältesten Häuser stammen aus der Zeit der Eröffnung des ersten Schachtes, die neuesten sind 1951 dazugebaut (Schlichtwohnungen im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus). Bei "günstiger" Wetterlage riecht man beim Durchfahren dieser Siedlung, daß die Häuser traditionsgemäß mit Kohleöfen beheizt werden, man riecht den kalt-erdigen Geruch der Steinkohle.
 
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Reichsheimstätte

Mit der Reichsheimstätte wurden Familien mit Wohneigentum versorgt. Die Eigenschaft der Reichsheimstätte hatte u.a. dem Vorteil, daß das Grundeigentum nicht durch Pfändung angegriffen werden konnte. Es wurden kleine Einfamilienhäuser, vorwiegend Doppelhäuser auf relativ großen Grundstücken, als Gartenanbaufläche gedacht, gefördert. Es handelt sich regelmäßig um Siedlungen mit mindestens 15-20 Häusern.

Ursprünglich befanden sich unten in den Häusern ein kleines Wohnzimmer und die Küche, die einen Ausgang zum Garten hatte, im Obergeschoß, schräg, waren Elternschlafzimmer und ein oder zwei kleine Kinderzimmer, nach heutigem Recht Kammern (kleiner als 12 m3). Regelmäßig waren Ställe für Kleinvieh vorgesehen. Die Bergleute hielten sich hin und wieder eine Bergmannskuh (eine Ziege) oder ein Schwein.

Nach dem Kriege hatten die aus dem Reichsheimstättenfond gewährten Hypothekendarlehen den Vorteil, daß sie zwar auf DM umgestellt, aber nicht aufgewertet wurden. Die Annuitäten waren weiter in der Höhe und auf der Grundlage des Kapitals fällig, das in Reichsmark gewährt worden war. Sie betrugen damit nur wenige Mark.

Heute sind nur noch wenige Siedlungen halbwegs in der Originalform erhalten. Die meisten Häuser sind nach hinten und seitwärts so ausgebaut worden, daß man nur noch mit einiger Phantasie die ursprüngliche Bauform erkennen kann, gemütliche kleine Häuser, die Heimeligkeit ausstrahlen, obgleich die Wohnverhältnisse für heutige Verhältnisse beengt sind.

Kleinsiedlungen nach dem Reichsheimstättengesetz können nach wie vor begründet und gefördert werden; in der Praxis haben die Vorschriften nur noch historische Bedeutung.
 
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Renaissance

Die Renaissance hat ihre Blüte in Deutschland zwischen ca. 1500 und dauerte bis ca. 1620, auch bis 1650 (hier stärkere Übergänge zum Barock); allgemeine begann sie ca. 1350.

Renaissance bedeutet ‚Wiedergeburt‘, Wiedererweckung des klassischen Altertums.

Gebäude aus der Renaissancezeit lassen sich häufig an einzelnen Merkmalen erkennen: der Bauform (häufig groß/wuchtig), an Giebeln (häufig Treppengiebel mit Kugeln oder Stelen auf den Absätzen), an Zwerchhäusern oder Zwerchgiebeln, an Erkern, an Portalen (runde Bogen, manchmal gedrungen, in manchen Gegenden gehäuft Sitzportale), an Simsen über die ganze Wand oder um das ganze Gebäude herum, an Kartuschen am Giebel oder über Eingängen (Kartuschen sind mit kunstvollen Rahmen versehene Inschriften, Enbleme oder Wappen) oder an Bossensteinen an oder um Portale oder Fenster (Bossensteine sind bearbeitete Natursteine mit manchmal gleichmäßigen, manchmal bewußt ungleichmäßigen kleinen Vertiefungen drin; man kann sich das merken, indem man sich die Gedankenbrücke merkt, die Steine sind gebosselt).
 
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Rheinisches Industriemuseum

Rheinisches Industriemuseum für Schwerindustrie, Hansastr. 18, 46049 Oberhausen, geöffnet tgl. außer Montag von 10 bis 17 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr. Hin und wieder gibt es eine Museumsnacht. Tel. 0208 8579-281.

Das Museum ist sehr sehenswert. Wer kann, sollte sich eine Führung gönnen. Es gibt ein paar Demonstrationen an den vorhandenen Maschinen und Einrichtungen, nach denen man auf jeden Fall fragen sollte.
 
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Risalit

Ein Risalit ist ein senkrechter Fassadenvorsprung über die ganze Fassade. Er gliedert die Fassade und trägt dazu bei, große Flächen optisch aufzulösen.
 
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Robinienalleen

Einige der Alleen im Ruhrgebiet sind mit Robinien bepflanzt. Dieser Alleebaum, die Gemeine Robinie oder auch die Falsche Akazie, paßt aus zwei Gründen ins Ruhrgebiet: sie ist industriefest (weshalb sie auch als Bahndammpflanze schon zu Dampflokzeiten zu finden war) und ihre Wurzeln haben die Fähigkeit, in einer Symbiose mit Bakterien Luftstickstoff zu binden und damit den Boden zu verbessern. Es bedarf also keiner besonderen Pflege dieses Baumes, insbesondere keiner Düngung. Mit bis zu 25 m Höhe bilden die Robinienalleen ein gleichermaßen respektables Bild, wie die Platanenalleen.
 
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Rokoko

Sonderform des Barock, ca. von 1730 – 1760, teilweise bis 1780 und vereinzelt noch bis 1800. Die schweren, überladenen Formen und Verzierungen des Barock wurden durch immer noch prächtige, leichtere Formen und Verzierungen abgelöst. Da Farben tendierten zum Pastell, also hell, durchscheinend, vorwiegend bleu statt blau, rosa statt rot oder braun. Die Formen der Häuser, bis dahin gedrungen, schwer, bodenständig, großartig, werden ebenfalls leichter.
 
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Rot-Weiß Essen e.V.

Einer der Traditions-Sport- und insbesondere Fußballvereine des Ruhrgebiets und –was besondere Bedeutung hat–, der traditionelle Fußballverein der Arbeiterschaft im Essener Norden. Damit stand RWE früher contra zu dem im reichen Essener Süden beheimateten Verein Schwarz-Weiß Essen, insbesondere, als beide Vereine in der vor der Einführung der Bundesliga höchsten Klasse, der Oberliga spielten. Zur Zeit spielt Rot-Weiß Essen in der Regionalliga.
 
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Route Industriekultur

Im Rahmen der IBA –Internationale Bauausstellung– Emscherpark entwickeltes Netz von Industriebauwerken oder Bauwerken, die hauptsächlich Zwecken der Industrie dienten. Die meisten Bauten wurden früher für diese Zwecke genutzt, einige sind immer noch in Gebrauch, andere sind wieder und mit anderer Zweckbestimmung genutzt. Allen Bauwerken ist eines gemeinsam: ihre –manchmal spröde– Schönheit wird sichtbar gemacht. Manche dieser Gebäude sind mit einigem Aufwand wieder hergerichtet worden oder werden z.Z. noch renoviert, saniert oder rekonstruiert, wie die Deutschen sagen, die früher in der DDR lebten. Alle haben eines gemeinsam: sie sind "Kunst" im eigentlichen Sinne. Architektur und Kunst sind verwandt. Bauwerke sind "künstlich" an sich, weil nicht natürlich. Sie werden zur Kunst, indem sie durch den Vorgang, das der Blick auf sie gelenkt wird, bildlich aus dem ursprünglichen Zusammenhang genommen, quasi auf ein Podest gestellt werden. Unser Blick wird durch diesen Vorgang geschärft. Geschärft für die Wahrnehmung des Gebäudes als Ganzes und für seine einzelnen Elemente in ihrer von Architekten und Bauherren geprägten Schönheit.

Informationen über die Route der Industriekultur sind u.a. zu bekommen:

  • Besucherzentrum Route der Industriekultur, Zeche Zollverein XII, Gelsenkirchener Str. 181, 45309 Essen (Katernberg); das Besucherzentrum, Zeche und Kokerei Zollverein liegen an der KME-Route, Teilstrecke 30, Katernberg–Altenessen
  • Stiftung Industriedenkmalspflege und Geschichtskultur, Emscherallee 11, 44369 Dortmund (Huckarde); das Stiftungsbüro liegt ebenfalls an der KME-Route, Teilstrecke 30, Dortmund–Dortmund-Mengede
  • http://www.industriedenkmal-stiftung.de

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Ruhrland-Hotel, Oberhausen

Gegenüber dem Hauptbahnhof Oberhausen liegt das 1931 im Stile der Bauhausarchitektur errichtete frühere Ruhrland-Hotel. An diesen Namen erinnert heute noch die Ruhrland-Apotheke. Das Gebäude ist auch aus heutiger Sicht noch modern, so dass ein flüchtiger Betrachter nicht auf die Idee käme, es sei sieben Jahrzehnte alt, also ein ganzes Menschenalter. Einige konstruktive Elemente der Bauhausarchitektur sind teilweise nicht mehr vorhanden (wie zum Beispiel ein weit vorkragendes Schutzdach über dem Erdgeschoß einschließlich des Pavillons) oder erschließen sich dem Betrachter nicht ohne weiteres, weil das Gebäude durch eine vorgebaute Schaufensterfront kaschiert ist. Der links liegende runde Eckbau oder Pavillon ist ebenfalls bauhaustypisch.
 
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Ruhrwiesen

Die Ruhr ist trotz hundertfünfzig und mehr Jahren Kanalisierung und trotz mannigfacher Nutzung für Trinkwasser, Erholung, Wassersport, Stromerzeugung und Schiffahrt streckenweise immer noch ein halbwegs natürlicher Fluß geblieben. Die Ruhrwiesen sind Gegenstand des Interesses. Mal werden sie als Hort der Natur gepriesen, mal planen ungute Geister, Mülldeponien oder eine Brauerei in die verlockend freien Flächen zu setzen, wie in den letzten Jahren in Mülheim und Duisburg. Mal werden sie für die politische Auseinandersetzung genutzt, wie in der Nazizeit, als das angeln als Tarnung für politische Treffs diente, als die Nazis dort zur Provokation der Linken zu einer Versammlung mit Goebbels aufriefen und als die Gegner der Nazis die Schleusen am Raffelberg öffnen wollten, um die Wiesen unter Wasser zu setzen.
 
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Schenkebierweg

Hat nicht mit der Bierstadt Dortmund zu tun. Von Schenkebier war ein Adeliger, dem vor Jahrhunderten Teile des Königs–(Hof–)Gutes Mengede gehörten, einer Ansammlung von Gehöften, die vorher den Rittern von Strünkede gehörte.
 
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schienengleiche Bahnübergänge

Nirgendwo sonst in Deutschland, selbst nicht in Ostdeutschland, wo sie im Schnitt deutlich häufiger anzutreffen sind, als in Westdeutschland, sieht man derart viele schienengleiche Bahnübergänge wie im Ruhrgebiet. Das ganze Ruhrgebiet ist immer noch und war noch viel stärker, als jetzt noch sichtbar ist, von einem dichten Netz von Zechenbahnen, Verbindungsbahnen und –neben den großen Personenstrecken oder kombinierten Personen- und Güterstrecken —wie der KME oder der Bergisch-Märkischen Eisenbahn— von ebenfalls großen reinen Güterstrecken durchzogen. Insbesondere für die Zechenbahnen baute man nur dort Brücken über vorhandene Straßen oder umgekehrt, überspannte man nur dort Bahnen mit Straßenbrücken, wo größerer Autoverkehr zu erwarten war, bei Ausfallstraßen also zum Beispiel. Ansonsten ging man insbesondere bei den Zechenbahnen mit dem Problem pragmatisch um. Die Zechenbahnen fuhren langsam und der nicht sehr dichte Autoverkehr erforderte häufig nicht einmal Schranken an den Übergängen. Die Verkehrsentwicklung nach dem zweiten Weltkrieg führte dann schon noch in dem einen oder anderen Fall entweder zur zusätzlichen Brücken (selten und eher bei den großen Strecken) oder zu Schranken, aber im Grundsatz blieb der alte Zustand erhalten.
 
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Schiffahrtskanal

Dieser Kanal sichert im Unterlauf der Ruhr die Schiffbarkeit des Flusses. Das Gefälle der Staustufe ist so groß, dass es zur Stromerzeugung genutzt werden kann. Die Ruhrschiffahrt an sich hat heutzutage keine große Bedeutung mehr. Der Bau der KME hat vor 150 Jahren den Prozeß eingeleitet, die Ruhr, die vorher als Haupttransportweg für die Kohle diente, abzulösen. Zur Zeit dient der Schiffahrtskanal der Personenschiffahrt und der Zufahrt zu den Mülheimer Häfen.
 
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Schloß Bladenhorst

Schloß Bladenhorst ist ein Wasserschloß. Das (gotisch geprägte) Torhaus können wir durchfahren; der Treppengiebel ist äußerst interessant. Das Haupthaus kann z.Z. von außen besichtigt werden (die gegenteiligen Schilder darf man ruhig ignorieren). Das Schloß stammt aus dem 16. Jahrhundert, ist also ein Renaissancebau. Der Fries aus grünen Kacheln an beiden Gebäuden ist eine Besonderheit (genau hingucken, dann sieht man das Grüne).
 
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Schonnebeckhöfe

Diese Straße führt über Boden, der früher zu den Schonnebeckhöfe genannten Höfen und Kotten Viefhaus, Droste, Reick und Stenns gehörte.
 
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Seilscheibe

Monumentale Räder haben sich früher auf den Schachtgerüsten über den Schächten der Kohlenbergwerke im Ruhrgebiet befunden und befinden sich vereinzelt noch heute dort. Über diese Scheiben liefen die armdicken Förderseile in die Tiefe, an denen die Förderkörbe hingen. Diese Förderkörbe wiederum sind mehrstöckig, jedes Stockwerk so groß, wie ein großes Wohnzimmer in einer Sozialwohnung. Damit konnte man mit jeder Seilfahrt einige Tonne Kohle mit einer Geschwindigkeit von mindestens 16 m in der Sekunde fördern (das sind fast 60 km/h).
 
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Sekundussprung

Der Sekundussprung ist eine tektonische Verschiebung des Gebirges. Da sind zwei unterirdische, bewegliche Berge, die sich gegeneinander verschieben. Die naheliegende Vermutung, das habe mit dem Bergbau zu tun, ist nicht richtig. Natürlich ist die Gefahr eines unterschiedlichen Absenkens beider Bergteile im Falle von Bergsenkungen besonders groß. Der Sprung ist gleichwohl natürlichen Ursprungs.

Der Gebirgssprung zieht sich quer durch die Stadt. Hin und wieder gibt es schon mal Probleme für auf ihm stehende Gebäude.

Wir bemerken den Sprung als einen fast stufenartigen Höhenunterschied in der Straße zwischen den beiden Einmündungen der Wohnstraße Beienweg.
 
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Shamrock

= engl. Kleeblatt. Das Kleeblatt ist das irische Nationalzeichen. Die Zeche Shamrock mit Schächten in Herne und Wanne-Eickel führte diesen Namen, weil die Schächte unter Leitung des Iren William Thomas Mulvany abgeteuft wurden.
 
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St.-Maria-Rosenkranz

Diese Kirche liegt (nicht mehr) an der KME-Route. Die Beschreibung blieb aus drei Gründen im Text: zum Einen war so –viel Zeit in Recherchen gesteckt worden, das es zu schade wäre, die Ergebnisse nicht zugänglich zu machen. Zum Anderen ist die Veränderung des Weges der Route ein Stück der Veränderung des Bildes und der Gestalt des Ruhrgebietes und zum Dritten ist die Kirche selbst ein Zeugnis dieser Veränderung.

Als die Arbeiten für diese Route begannen und die Aufnahme des Weges in der Örtlichkeit gemacht wurden (1996/97) existierte der jetzt beschriebene Weg zwischen Eisenbahnstrecke und Pumpwerk am Borbecker Mühlenbach noch nicht. Auf dem heutigen Weg verlief noch ein Stück der alten Zechenbahn, die früher die KME unter anderem mit den Schächten der Zeche Neu Cöln verband. Die Schienen endeten an der Ecke, wo unser Weg auf Halde führt, an der Ecke Flandernstraße / Zinkstraße. Das schöne Pumpwerkhäuschen der Emschergenossenschaft war der Öffentlichkeit Jahrzehnte verborgen. Es macht deutlich, das wir uns an dieser Stelle in einem Polder befinden: das Wasser des Borbecker Mühlenbachs wird zur Berne und damit zur Emscher hochgepumpt!

Nicht zuletzt vermitteln die Geschichte der Kirchengemeinde der St.-Maria-Rosenkranz-Pfarrei und ihrer neogotische Backsteinkirche ein Stück vom Bild und von der Geschichte des Ruhrgebiets: die Kirchengemeinde, die mit dem Bergbau (Zeche Neu-Cöln) schnell gewachsen war, hat sich vor dem Kirchenbau im umgebauten Schafstall des nahegelegenen Gut Berge (Haus-Berge-Straße) versammelt (1868 eingeweiht). 1887 wurde dann die Kirche errichtet (Grundsteinlegung: 17.7.1887), Architekt war Friedrich Freiherr von Schmidt (1825-1891, Dombaumeister an St. Stephan in Wien, baute das Wiener Rathaus; weitere Entwürfe für Kirchenbauten im Ruhrgebiet: 1890 die 1891-1894 realisierte Erneuerung der Marienkirche zwischen Elsa-Brandström-Str. und Mülheimer Str. in Oberhausen und St. Joseph auf dem Martin-Heix-Platz in Oberhausen.

Zwei Türme wurden 1900/01 errichtet und wurden nach ihrer Zerstörung im 2. Weltkrieg statt mit spitzen Dächern mit flachen pyramidenartigen Hauben ausgestattet. Die Kirche war 1925/27 schon einmal nach Bergschäden mit wenig Sinn für die Historie überarbeitet und wurde im Krieg bis auf die Außenmauern zerstört. Sie wurde dann zwischen 1950 und Mitte der 60er Jahre in die heutige Form gebracht. Von den architektonischen Formen des Ursprungs blieb nicht viel über. Immerhin sind die heutigen Formen, wenn auch schwierig, noch als neogotisch deutbar. Über dem Eingangsportal befindet sich eine sehenswerte Sandsteinplastik von ca. 1890. Der Erzengel Michael ist dargestellt. Von welchem Künstler die Plastik stammt, war leider nicht zu ermitteln.

Der Eingang der Kirche liegt in dem Zwischenraum zwischen Kirchenbau und davor gebautem Pfarrzentrum.
 
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Ständerbauweise, westfälisches Fachwerk

Westfälisches Fachwerk erkennt man am fast absoluten Gleichmaß. Die schwarzen Eichenbalken des Fachwerks sind so zusammengefügt, dass über die gesamte Wandfläche gleichmäßige Vierecke entstehen, deren Flächen (und damit die Fenster) relativ klein sind. Winkelhölzer, Kopf– oder Fußbänder, Abkreuzungen und wie die Hölzer im Fachwerkbau alle genannt werden, die der statischen Festigkeit des Fachwerks dienen, kommen relativ selten vor.

Der Eindruck des westfälischen Fachwerks wird dadurch verstärkt, dass die Häuser meistens in Ständerbauweise gebaut sind: ein Ständer ist eine über mehrere Geschosse reichende Stütze. Im Gegensatz zur Stockwerkbauweise sind die Etagen "eingeschossen" (weshalb die Bauweise auch Geschoßbau genannt wird). Wenn wir heutzutage Stockwerk oder Geschoß für die Angabe verwenden, in welcher Etage wir uns befinden, so tun wir das also in sehr traditioneller Ausdrucksweise, ohne uns dessen bewußt zu werden.
 
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Stockwerksbau

auch Rähmbau genannt

Bei Fachwerkhäusern werden bei Stockwerksbauweise die Stockwerke in sich jeweils extra abgezimmert mehrere Etagen übereinandergestellt. Hier im Ruhrgebiet, wo schon immer relativ wenige Geschosse hoch gebaut wurde (fast alle Bauten bis zum 2. Weltkrieg haben höchstens fünf Geschosse einschl. der Parterre). Man kann die Stockwerksbauweise von außen leicht erkennen, Die Stockwerke wirken fast wie übereinander gesetzte Schachteln; jedes Stockwerk für sich könnte man wie Container genauso gut nebeneinander setzen, wie sie übereinander geschichtet sind.

s. auch Ständerbauweise
 
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Straßenbahnen

Die Geschichte der Straßenbahnen ist jünger, als die der Eisenbahn. In Essen zum Beispiel wurden 1878/79 erste Untersuchungen über den Bau einer Straßenbahn, speziell einer Pferdebahn, angestellt, gut 30 Jahre, nachdem mit der KME die erste Eisenbahn in der Nähe des Essener Stadtgebiets, über Altenessen nämlich, in Betrieb gegangen war. Bis die ersten beiden Linien eingeweiht wurden, vergingen noch weitere 15 Jahre. Es war am 23. August 1893.

In Oberhausen fuhr die erste Straßenbahn am 4. April 1897. Oberhausen war damit zwar nicht die erste Ruhrgebietsstadt, die Straßenbahnen hatte. Aber die Stadt war die erste, welche die Straßenbahn in eigener Regie betrieb. Alle anderen Städte hatten bis dahin industrielle Unternehmen, Eisenbahn– oder speziell gegründete Straßenbahnunternehmen mit dem Bau und dem Betrieb der Bahnen beauftragt.

Bahnhof Altenessen

Eine der 1893 eingeweihten Linien fuhr vom heutigen Hauptbahnhof, damals der Bergisch-Märkische Bahnhof (an der Bergisch-Märkischen Eisenbahnstrecke) über Kettwiger Straße, Marktberg, Kopstadtplatz, Pferdemarkt, Kastanienallee, Viehoferplatz, Viehofer Chaussee zum Bahnhof Altenessen (und wurde ein paar Monate später, am 25. Januar 1894, bis zum "Weg zur Zeche Nordstern", vor der Linie des später erbauten Rhein-Herne-Kanals, jedenfalls noch auf Altenessener Gebiet gelegen, verlängert in Betrieb genommen). Heute entspricht die Linie 106 etwa diesem Streckenverlauf, hält nach dem Hauptbahnhof allerdings am Porscheplatz, ist dann am Viehofer Platz wieder auf dem alten Kurs und fährt über weitere vier Stationen zum Altenessener Bahnhof. Dort ist die Endstation der Straßenbahnlinie.

Der Bahnhof wird seit 1998 außerdem von einer U-Bahn auf der von der EVAG, der Essener Verkehrs AG, so genannten Nordstrecke angefahren, der U 11, ebenfalls vom Hauptbahnhof (vorher von der Messe/Gruga) kommend über Berliner Platz und z.Z. mit der Endstelle Altenessen Bahnhof. Diese Linie wir nach dem endgültigen Ausbau bis Gelsenkirchen-Horst fahren, wohin zwischenzeitlich die Straßenbahnlinien 101 und 106 gefahren waren (z.Z. wird dieser Teil der Strecke von Bussen der Linie 111 befahren).

Bahnhof Bergeborbeck

Zu diesem Bahnhof an der KME wurde die zweite der beiden ersten Essener Straßenbahnlinien geführt und am 23. August 1893 eingeweiht. Sie führte vom heutigen Hauptbahnhof, damals der Bergisch-Märkische Bahnhof (an der Bergisch-Märkischen Eisenbahnstrecke) über die Märkische Straße (heute gibt es in Essen eine Märkische Straße in Freisenbruch) und die Bahnhofstraße zum Limbeckerplatz, Limbecker Chaussee nach Altendorf und über die Helenenstraße nach Bergeborbeck (bei dieser einer Beschreibung von 1933 entnommenen Streckenführung wird klar, dass bei den Streckenbeschreibungen sowohl nach Altenessen als auch nach Bergeborbeck Haltestellen, Streckenführung und Stadtteile in bunt durcheinander als Bezeichnungen genannt wurden).

Dieser Bahnhof wird heute u.a. von der Straßenbahnlinie 101, die ursprünglich nach Süden geführt (s. unten) später zwischenzeitlich von einer Streckenführung über Altenessen nach Horst auf den Weg von Bredeney nach Borbeck ‚verwiesen‘ wurde, angefahren. Dieser Linie ist die 1 geblieben, die sie als eine der beiden zuerst eröffneten Straßenbahnlinien Essens hatte (die hundert ist bei Gründung des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, VRR, dazu gekommen). Diese Linie entspricht südlich des Hauptbahnhofs der Linienführung der dritten Essener Straßenbahnlinie, die 27. April 1994 eröffnet wurde und die Kettwiger Chaussee nach Rüttenscheid und zum Kurhotel! Alfredusbad führte (die Haltestelle heißt heute noch Alfredusbad).

Die Linie 106, welche vom Bahnhof Altenessen kommt, fährt in einem Bogen über Rüttenscheid ebenfalls nach Bergeborbeck. Hier schließt sich in gewisser Weise die Geschichte der ersten Essener Straßenbahnen zu einem Halbbogen.

Herner Straße in Herne-Wanne, kurz vor bzw. hinter dem Hauptbahnhof Wanne-Eickel.

Auf der Südseite (dem Bahndamm zugewandt) ist am andersartigen Pflaster noch der Weg der Straßenbahnschienen zu sehen.

Hier fuhr ab 23.12.1921 die Linie L der Westfälischen Straßenbahn GmbH. Mit Unterbrechungen durch Inflation und Bomben fuhr die Straßenbahn unter verschiedenen Linienbezeichnungen und Gesellschaftsverhältnissen bis 1955. Die letzte Straßenbahn fuhr hier als Linie 16 der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen A.G. am 3.8.1955.

Essen, Dellwiger Str.

Eingleisige Linienführung der Linie (Streckenverlauf: Dellwig–Borbeck–Steele) 103. Typische historische Straßengestaltung der Straßen "zwischen den Welten", zwischen zwei Ruhrgebietsstädten. Obwohl immer wieder behauptet wird, im Ruhrgebiet merke man überhaupt nicht, dass man eine Stadt verlassen habe und in eine andere gekommen ist, sind die Stadtränder für den Eingeweihten auch heute in den meisten Fällen noch sichtbar. Das gilt zum Beispiel für die sogenannten Ausfallstraßen, die im Englischen arterial road heißen, was stärker den Charakter als Hauptverkehrsstraßen ausdrückt, als der Ausdruck Ausfallstraße. Die Dellwiger Str. hat heute noch das typische Gesicht einer solchen Straße (obwohl fraglich ist, ob sie dieser Funktion gedient hat).

Das wird durch den eingleisigen Betrieb der Straßenbahn verstärkt. Dieser zwar zum einen durch die Enge der Straße bedingt. Zum anderen wird hier bald die Endstelle erreicht. Zum dritten haben Straße und Straßenbahn hier Überlandcharakter. Überlandstrecken waren die Strecken der Straßenbahn zwischen den Städten oder aus der Stadt in die Landschaft hinaus. Als diese Straßenbahnlinie hier gebaut wurde, hatte die Straße wahrscheinlich noch das Gesicht einer Straße, die in die Landschaft hinaus führte. Das Ruhrgebiet hatte weniger als die Hälfte der Einwohner, die es heute hat (zwischen 1920 und 1930 waren 3,5 Mill. Einwohner erreicht). Die Straße führte nach Osterfeld und in südöstlicher Richtung zu den Werksanlagen der Gutehoffnungshütte, später Thyssen Niederrhein AG und heute Neue Mitte Oberhausen, nach Oberhausen.

Zurück zur Straßenbahn: man rechnete früher genau aus, an welchen Stellen man mit nur einem Gleis auskam oder auszukommen glaubte. Der eingleisige Betrieb erforderte (und erfordert, wo er heute noch, selten allerdings, neu gebaut wird) bei jeder Änderung der Zugfolge entweder komplizierte Überlegungen und Einrichtungen für die Regelung der Rangfolge der Bahnen, jede Verspätung eines Zuges hat weitreichende Folgen für alle anderen Züge, oder kostspieligen Einbau von "Ausweichen", mit denen daher sehr sparsam umgegangen wurde. Hier, in der Nähe der Endstelle, hatte dieser Gesichtspunkt natürlich keine Bedeutung mehr.

Und hier kommt ein historischer Gesichtspunkt hinzu: Oberhausen hatte ursprünglich die Kooperation mit Essen auf dem Gebiete des Straßenbahnwesens abgelehnt. So hatte Essen keinen Grund, seine Straßenbahnlinien in Richtung Oberhausen "weiterzudenken" und entsprechend leistungsfähige Wege zu bauen. Oberhausen wollte einen eigenen Weg gehen und die Einnahmen aus diesem Geschäft selbst verbuchen. 1898 soll dann allerdings doch eine Linie von Borbeck nach Oberhausen eröffnet worden sein und von der Essener Straßenbahngesellschaft betrieben (Borbeck gehörte damals noch nicht zu Essen). Über diese Linie ist außer einem einzigen Hinweis über die Eröffnung nichts zu erfahren. Insbesondere die Beschreibung der Oberhausener Straßenbahnen enthält keinen Hinweis darauf.

Oberhausen–Alstaden, Linie 3, Friedrich–Karl–Str. und Höhe Bebelstr. 258/262

65 Jahre lang fuhr die Straßenbahn zwischen Alstaden und der Endstelle Lipperheidebaum. Die erste Bahn fuhr am 29. Juni 1901, die letzte am 23. Oktober 1966. In der Friedrich–Karl–Str., kurz hinter bzw. vor dem Oberhausener Hauptbahnhof auf der Tour nach bzw. von Duisburg, sind mit etwas Phantasie noch die Schienen zu sehen. Man sieht in der Mitte der Straße, dass der Asphalt Absätze hat. Hier fuhr u.a. die Linie 3 nach Alstaden her.

Wir berühren auf unserer Tour beide Endstellen, die eine in Alstaden auf der Höhe der Häuser Bebelstr. 258/262, kurz nachdem wir von Duisburg kommend kurz nacheinander die KME unterquert und die früher von der Bergisch–Märkischen Eisenbahn betriebene Strecke von Oberhausen nach Ruhrort überquert haben bzw. auf der Fahrt nach Duisburg in umgekehrter Reihenfolge über– bzw. unterqueren werden.

 

Oberhausen, Essener Str.

Diese Straße interessiert uns in mehrfacher Weise. Sie war die erste befestigte Straße Oberhausens, die erste "Kunststraße", 1791 befestigt, als Oberhausen noch gar nicht Oberhausen hieß. Ihren Namen hat die Stadt nämlich erst nach dem Bau der KME bekommen, als man nach einem Namen für die Station suchte, den heutigen Hauptbahnhof Oberhausens.

Hier, und gerade auf dem Teilstück, das wir auf unserer Tour befahren, wirkte sich die Uneinigkeit zwischen den Städten Oberhausen und Essen über den Bau und Betrieb der Straßenbahn aus (s. auch Essen, Dellwiger Str.). Die Essener Bahn endete jahrelang an der Haltestelle Unterstraße, 500 m die Essener Str. in Richtung Frintrop/Essen, in östlicher Richtung, hinauf (von der Stelle aus gesehen, an der wir aus der Straße Hausmannsfeld in die Essener Str. einbiegen bzw. von der Essener Str. in die Straße Hausmannsfeld abbiegen). Bis dorthin war sie 1911 verlängert worden, nachdem sie bei ihrer Eröffnung am 15.11.1910 ursprünglich nur bis zur Frintroper Höhe fuhr, zwei Stationen davor.

Die Oberhausener Bahnen fuhren lange Zeit bis zur Station Lipperheidebaum, die an der Einmündung der Mellinghofer Straße liegt, noch weitere 300 m von unserem Standort an der Ecke Hausmannsfeld in Richtung Oberhausen entfernt. Wer von Essen oder Frintrop aus zur Arbeit auf der Oberhausener Hütte wollte, mußte also auf jeden Fall einige hundert Meter laufen.

Trotz der ursprünglichen Oberhausener Ablehnung wurde zwischen dem 20.12.1924 und dem 8.10.1967 die Straßenbahnlinie 5 zwischen den beiden Städten gemeinsam betrieben. Zeitweise hatte sie die Liniennummer 20, als welche sie zum Beispiel in den 30er Jahren zwischen der Stadtmitte Oberhausens, Oberhausen Hauptbahnhof, Lipperheidebaum, Frintrop, Altendorf und Essen Hbf. bis zur Haltestelle Alfredusbad im Essener Süden (Rellinghausen) fuhr. Die Strecke war mit 20,3 km eine der längsten des Ruhrgebietes. Nach dem Grundsatzbeschluß des Oberhausener Rates vom 5. Juli 1965, keine Straßenbahnen mehr zu betreiben, sondern voll auf den Busbetrieb umzustellen, wurde der Gemeinschaftsbetrieb 1967 eingestellt. Die Essener Straßenbahnlinie, nach Gründung des VRR von der Linie 5 auf die 105 umgestellt, endet sie wieder an der Haltestelle Unterstraße. Die beiden Städte sind seit der Gründung des VRR allerdings mit mehreren Buslinien besser verknüpft, als je zuvor.

 

Oberhausen, Nahverkehrsstraße vom Hauptbahnhof über Neue Mitte Oberhausen nach Sterkrade

Im Zuge der Errichtung der Neuen Mitte Oberhausen wurde ein leistungsfähiger Nahverkehr aufgebaut. Seitdem hat Oberhausen wieder eine Straßenbahnlinie, nachdem einige Jahre vorher komplett auf Busverkehr umgestellt worden war. Die Linie 112 wird von den Städten Oberhausen und Mühlheim gemeinsam betrieben. Straßenbahnen und Busse fahren über eine eigens errichtete kreuzungsfreie Nahverkehrsstraße, die andere Verkehrsteilnehmer nicht benutzen dürfen, auch keine Radfahrer. Alle ein oder zwei Minuten fährt ein Bus oder eine Bahn.
 
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Straßenbeleuchtung

Uns erscheint öffentliche Straßenbeleuchtung selbstverständlich. Wem ein Punkt an der Straße zu dunkel ist, der sagt seiner Stadtverwaltung Bescheid und in aller Regel wird dann in absehbarer Zeit eine Erhellung erfolgen. Das war nicht immer so. Die Straßen, die Dörfer und die Städte waren in der Regel dunkel. Es gab keine Energie, die ausgereicht hätte, die Straßen nachhaltig zu erhellen.

Dann aber kam die Industrialisierung. Bei der industriellen Verhüttung von Eisen fiel Gas an, mehr, als die Industrie selber verbrauchen konnte. Man kam daher auf die Idee, das überschüssige Gas zur Beleuchtung zu verwenden, und zwar nicht nur zur Beleuchtung der Straßen, sondern ebenfalls zur Beleuchtung von Häusern.

In der Ruhrgebietsstadt Oberhausen begann die Ära der Straßenbeleuchtung 1865. Aus den Ratsprotokollen weiß man, dass der Stadt 10 "Flammen" zur Straßenbeleuchtung angeboten wurden. Bereits ein gutes Jahr später, am 22.12.1866, wurde ein umfassender Vertrag für die Anlage einer Gasfabrik, die Verlegung der Gasrohre in den Straßen und die Einrichtung der Gasbeleuchtung der Straßen, der Aufenthaltsräume der Bahnhöfe und der Privathäuser auf 30 Jahre abgeschlossen. In den ersten Jahren mußten die Gasfabrikanten die öffentliche Straßenbeleuchtung unentgeltlich stellen.

Für die Straßenbeleuchtung dauerte die Ära der überwiegenden Gasbeleuchtung bis nach dem 2. Weltkrieg. Nur einzelne größere Straßen oder Kreuzungen hatte bis dahin elektrische Beleuchtung bekommen. Nach dem 2. Weltkrieg, verstärkt in den 60er Jahren und den frühen Siebzigern wurden die Gaslaternen nach und nach durch elektrische Lampen ersetzt. Unser Stadtbild wird inzwischen meistens von schmucklosen Peitschenleuchten geprägt. Über größeren Straßen hängen längliche Lampenkörper in langer Reihe. Fußgängerzonen sind z.Z. noch größtenteils mit Beleuchtungskörpern aus den 70ern ausgestattet, häufig Kugellampen auf relativ einfachen Ständern. In den letzten 10-15 Jahren sind nostalgisch aufgepeppte Lampen, Kandelaber oder Hängelampen in kräftigen roten oder blauen Farben, seltener gelb, anzutreffen.

Die mit Verzierungen versehenen häufig gußeiserenen Masten der alten Gaslampen mit runden Deckeln und nach unten wegklappbaren und ursprünglich nach unten offenen Glaszylindern, welche die empfindlichen Gasstrümpfe schützten, sind in privaten Gärten gelandet, soweit sie nicht verschrottet wurden.

In Einzelfällen sind Reihen von Lampen aus den Jahrzehnten zuvor erhalten geblieben. Ein schönes Beispiel ist die Beleuchtung der Zimmerstraße in Oberhausen. Dort stehen pilzförmige Lampen aus den 50ern. Die Größe und die Gestaltung dieser Lampen korrespondieren mit den Möbeln dieser Zeit, der Nierentisch- und Tütenlampenära. Sie sind gegenüber heute anzutreffenden Lampentypen relativ zierlich. Dieser Lampentyp war häufig in Vorortstraßen und in Parks anzutreffen. Es handelt sich um elektrische Beleuchtung.
 
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Straßennamen mit Mühlenbezeichnungen und die Bäche, an denen die Wassermühlen lagen

1. In der Gelsenkirchener Neustadt und in Rotthausen

Bokermühlstraße, Mühlenbruchstraße, Schwarzmühlenstraße. Alle drei Straßen liegen nur wenige hundert Meter auseinander und begleiten den Schwarzbach, der auf der Route auch überquert wird und zwar auf der Straße Wiehagen. Die Namen der Straßen deuten darauf hin, daß hier eine Ansammlung von Wassermühlen war.

Zwischen den Häusern Wiehagen Nr. 72 und 78 wird der Bach überquert, man sieht ihn nicht, nimmt ihn erst nach Erklärungen wahr. An dieser Stelle verläuft der Bach nämlich unterirdisch. Man nimmt die Stelle als Huckel wahr, wie eine mittelalterliche Brücke, die in einem Katzenbuckel über den Bach führt.

Unter und links und rechts der Straße liegt ein Regenrückhaltebecken, für das der Bachlauf natürlich nicht ausreichte. Es umfaßt das frühere Tal in seiner ganzen nach der Bebauung der Umgebung möglichen Breite und, der Huckel lehrt es uns, mußte auch noch aus dem Erdreich herauswachsen. Dadurch kommt es, dass die Überfahrt jetzt über dem Niveau der Straße liegt.

Mit diesem ReRü, wie die Regenrückhaltebecken im Fachjargon der Tief– und Wasserbauer heißen, wird der ganze tiefer gelegene nördliche Bereich, u.a. des heutigen Gelsenkirchener Stadtgartens und der angrenzenden Kläranlage, vor Hochwasser geschützt. Links und rechts der Straße sind auf den einen Seite ein aus Stahlrohren gefertigter Zaun, auf der anderen ein Tor, beides vor längerer Zeit grün und gelb lackiert; auf der einen Seite, hinter dem Tor, steht ein Schild der Emschergenossenschaft "Betreten verboten". Das ist eigentlich das einzige Merkmal, das oberirdisch auf die Zweckbestimmung des Geländes, darauf das sich Bach und ReRü unterirdisch dort befinden, hinweist.

Doch es gibt weitere Merkmale, die uns erzählen, wie dieses Tal früher ausgesehen hat. Es gab einen Weg, ein historische Straße, der oder die am westlichen Ufer des Baches quer zur heutigen Straße Wiehagen entlang führte. Das Haus Nr. 78 und das auf der anderen Straßenseite genau gegenüber liegende Haus sind nämlich Eckhäuser mit zwei Straßenfronten, je eine zum Wiehagen und je eine zum früheren Bach hin. Am Haus Nr. 78 kann man noch die frühere Gestaltung sehen; dort war ein typisches Eckladenlokal, mit dem Eingang schräg auf der Ecke liegend. Zum Wiehagen hin waren zwei Schaufenster. Ein gußeisener Pfeiler ist noch als Schmuckelement in der heute gemauerten Wand erhalten. Und auch das gegenüberliegenden Haus könnte ein Ladenlokal an der Ecke gehabt haben. Es muß schon eine Straße mit einiger Bedeutung gewesen sein, die dort entlang führte, denn die Hauseigentümer hätten sich nicht entschlossen, die stuckgeschmückten Fassaden einem untergeordneten Weg zuzuordnen. Da hätten es einfache Backsteinfassaden getan, wie wir sie an diesen Häusern an der Rückseite und an den Einfahrten zugewandten Seiten vorfinden.

Nach Westen geht es dann eine Steigung hinauf (bzw. von Westen kommend ist man gerade bequem den Abhang herunter gekommen) auf die sanften Hügel, in die früher das Tal des Schwarzbaches eingebettet war.

Der Schwarzbach ist an dieser Stelle ein relativ großes Gewässer. Südlich der beschriebenen Stelle münden kurz nacheinander der Leither Bach und der Wattenscheider Bach in den Schwarzbach. Alle diese Bäche sind seit der Industrialisierung Gelsenkirchens Abwasserbäche, sogenannte Köttelbecken. In einem groß angelegten Renaturierungsprogramm werden die Abwässer im Verlauf der nächsten Jahre unterirdisch in separate Kanäle geleitet. Die alten Bachläufe werden natur-ähnlich gestaltetet. Wiederhergestellt werden können sie nicht mehr. Immerhin könnte auch der Schwarzbach in absehbarer Zukunft wieder ein Bach sein, der Frischwasser führt und in und um den Flora und Fauna (und Menschen) wieder zu ihrem Recht kommen.

Der Bach kommt an Stellen, an denen er offen verläuft, auf der Tour mehrfach in Sicht- (und bei Inversionswetterlagen auch in Riech-)weite (z.B. an der Schwanenstraße, deren westliches Ende eine kurze Sackstraße bis zum Bach bildet).

2. In der Essener Nordstadt (Altenessen, Borbeck, Bergeborbeck, Dellwig)

Hier wird die Lage der Stadtteile im ehemaligen Emscherbruch mit seinen vielen Gewässern, deren Wasser Arbeit in den Wassermühlen verrichten mußte, nochmals deutlich: die Pausmühlenstraße am Pausmühlenbach, der ein Nebengewässer der Berne ist, die, ein stattlicher Bach, fast so groß und bedeutend wie die Emscher selbst, ursprünglich als Nebenfluß der Emscher, Altenessen und Bergeborbeck durchfließt, seit langem und immer noch natürlich Abwasserkanal ist.

Andere Straßen in der Nähe, Bergmühle, die am Borbecker Mühlenbach lag, Bergmühlenwehr, Mühlenaue und Mühlengrund in Bochold, erinnern an weitere Mühlen, andere Straßennamen spiegeln die Bruchlandschaft (Moor = Bruch) wider, die früher hier war: Klaumerbruch, Kraienbruch, Vieselmanns Ried und Mellisaue in Dellwig, Fleuenbruch im Essener Stadtteil Borbeck, Klaumer Bruch und Oberbruch im Oberhausener Stadtteil Borbeck, der gleich angrenzt. In Frintrop, an Dellwig angrenzend, gibt es noch Läppkes Mühlenbach, an den und an dessen Mühle allerdings kein Straßenname erinnert.
 
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Strukturwandel

Das gesamte Ruhrgebiet unterliegt seit Jahrzehnten einem Strukturwandel von einer Region der Schwerindustrie zu einer völlig anders gearteten Wirtschaftsregion. Dieser Strukturwandel ist die politische und ökonomische Antwort auf den Abbau der Schwerindustrie und ist an die Stelle bedingungslosen Erduldens getreten.

Die Strecke zwischen Dortmund Hbf. und Dortmund–Mengede (Abschnitt 24) zeigt diesen Strukturwandel in besonderer Weise. Wir durchqueren eine Landschaft, die noch die Zeichen des Wandels von der bäuerlichen zur Industrieregion trägt und wir sehen gleichzeitig den Niedergang dieser Jahrzehnte bestandenen Industrie und den weiteren Wandel zu einer multifunktionalen Industrie– und Wirtschaftsregion, in der gleichzeitig die Lebensverhältnisse der Bewohner verbessert werden (Emschersanierung, komfortabler U–Bahn–Betrieb).
 
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Strünkede

Eine Linie der Ritter von Strünkede (alte Schreibweise: Strünckede), die hier wie in Herne und Umgebung (Schloß Strünkede) die Gegend unsicher machten. Mengede gehörte ihnen lange Zeit, teils umstritten.
 
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Trockenmauer

Auf der zum Stadtteilpark aufgeforsteten Abraumhalde der ehemaligen Zeche Neu Cöln finden wir ein zwar kleines, aber beispielhaftes Stück naturnaher Gestaltung: eine als Trockenmauer gebaute Stützmauer. Dazu werden nach Möglichkeit Natursteine aufgeschichtet. Statt Mörtel verwendet man Erde zum Verfugen. Die Zwischenräume zwischen den Steinen dienen unterschiedlichstem Getier Lebensraum, Würmern, Spinnen und Eidechsen. Solche Trockenmauern kann man auch im eigenen Garten errichten, als Grundstücksbegrenzung, als Stützmauer oder einfach nur zur Zierde. Und wer keine Mauer will, macht einfach einen Steinhaufen.
 
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von–Waldthausen–Str.

Die Brüder von Waldthausen waren Mitbegründer der Steinkohlengewerkschaft (Gewerkschaft von Gewerken abgeleitet, Geschäftspartner, also nicht mit der Gewerkschaft in unserem heutigen Sinne zu verwechseln) und Direktoren der Gesellschaft.
 
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Voßnacken und weitere Brücken über die KME

Kommt man von der Josefinenstraße zum Voßnacken hoch oder fährt in die Gegenrichtung mit Schußfahrt in die Josefinenstraße hinein, ist ein genauer Blick empfehlenswert. Hier (und an einzelnen weiteren Stellen des Verlaufs unserer Radstrecke, s. unten) sieht man noch eine Straßen– und Brückengestaltung, wie sie früher sehr häufig im Ruhrgebiet anzutreffen war. Die Straße wurde beidseitig, häufig wie hier eng an die Bahntrasse geschmiegt, über eine Rampe zur Straßenbrücke über die Bahn hinaufgeführt. Solche Straßenbrücken wurden durch den stärker werdenden Verkehr häufig erst nach langem hin und her über die Bahnlinie gebaut und mußten dann so kostengünstig wie möglich in die bereits vorhandene Bebauung oder zwischen Industrieanlagen und vorhandene Infrastruktur eingebettet werden. Die Folge waren kurze Rampen mit starken Steigungen.

Der Teil der Straße "Voßnacken", den wir befahren, bildet diese Rampe allerdings nicht schon mit dem Bau der Brücke. Dieser Teil der Straße wurde erst mit der Zechensiedlung in der zweiten Hälfte der 20er Jahre gebaut, weit später, als die Eisenbahnbrücke.

Wir bemerken, dass die Josefinenstraße ebenfalls eine Steigung hinauf geht. Diese Steigung hat nichts mit der Eisenbahn zu tun. Wir nehmen wahr, dass im östlichen Teil die Eisenbahn über unserer Kopfhöhe verläuft, an der Gabelung der Straße sind wir etwa auf gleicher Höhe, um dann über die Rampe auf die Brückenhöhe zu fahren. Die Straße führt hier zur natürlichen Höhe des Voßnackens hoch. Als Nacken wird u.a. eine langgestreckte Bodenerhebung genannt. Voß oder Vos ist die plattdeutsche Bezeichnung für Fuchs. Voßnacken schließlich ist eine alte Gewannbezeichnung und gleichzeitig war das der Name einer Unterbauerschaft von Börnig, dem Ortsteil, durch den wir uns gerade bewegen. Hier gab es früher einige Bauernhöfe. Einzelne Häuser sind erhalten.

Es gibt zwei weitere Beispiele für Brücken mit Rampen (sie verschwinden allmählich aus dem Stadtbild):

–Eine Brücke ist im Verlaufe der Straße Mooskamp, Streckenteil 24, Dortmund Hbf.–Dortmund–Mengede und eine weitere

–im gleichen Streckenteil im Verlaufe der Straße Auf dem Wodeacker

–im Streckenteil 33, Dellwig–Oberhausen, im Verlaufe der Dellwiger Straße, die Ripshorster Brücke (wir fahren nicht drüber, müssen aber auf jeden Fall von beiden Seiten die Rampe zur Brücke herauffahren).
 
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Wasserkraftwerk Raffelberg

Dieses von der Stadt Mülheim betriebene Wasserkraftwerk wurde 1925 von den Architekten Hans Großmann und Artur Pfeiffer erbaut. Diese beiden Architekten haben parallel die weiter flußaufwärts gelegene Stadthalle der Stadt Mülheim erbaut, von der Parent schreibt, sie nähme in "ihrer Architektur die Tradition antiker Uferpaläste ... wieder auf". Beim Kraftwerk haben die Architekten ihr Werk in schrecklich schöner Weise fortgeführt. Das Gebäude gleicht allerdings mehr dem Mindener Bahnhof, der aus militärischen Gründen achtzig Jahre zuvor festungsartig gestaltet wurde.
 
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Zeche Adolf von Hansemann

Zeche von 1857 bis 1967. Diese Zeche prägte die Entwicklung Mengedes entscheidend.
 
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Zeche Alstaden I

Der Schacht I der Zeche Alstaden befand sich auf dem Gelände, das an der Ecke Haldenstr./Solbadstr. liegt und unsere Tour bis zur bzw. von der Stadtgrenze Mülheim begleitet. Diese Zeche war eine der ältesten des Ruhrgebiets. Bereits 1855 wurde das Abteufen des Schachtes begonnen. Sie wurde allerdings bereits 1904 stillgelegt. Im Winter hat man einen Blick auf die verrotetten restlichen Gebäude auf dem Zechenlände. Das Gebäude Nr. 51, direkt an der Straße gelegen, dürfte mit der Gründung der Zeche gebaut worden sein. Es spiegelt in seinen Formen noch die Biedermeierzeit wider, die bis etwa 1850 andauerte.

Weitere Hinweise zur naturnahen Gestaltung des Emschersystems s. auch unter Deininghauser Bach.
 
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Zeche Dahlbusch

Das Gelände mit den Resten der Übertagebauten des ehemaligen Steinkohlebergwerks Dahlbusch ist nur zum Teil einer neuen Nutzung zugeführt. Der größte Teil des Geländes dämmert vor sich hin und die noch vorhandenen Gebäude verfallen. In den seit der Schließung des Bergwerks im Jahre 1966 unberührten Teilen des Geländes dürfte nach der Erfahrung aus bereits kartierten Geländen ein Naturreservat entstanden sein. 1999 wird allerdings an dem von der Schwarzmühlenstr. aus zugänglichen Teil der Zechenstr. (der größere noch bewohnte Teil der Zechenstr. mit allerdings meistens verslumten Häusern ist von der Rotthauser Str. aus zugänglich) durch Abbruch bzw. einreißen von Gebäuden, Wohnhäusern aus der Gründungszeit der Zeche, Garagen und Bunker aus dem 2. Weltkrieg, an dieser Idylle geknabbert.

Die Geschichte dieser Zeche begann bereits 1845 mit der Erteilung von Rechten für dieses Gebiet, 1848 wurde der erste Schacht abgeteuft. Die Zeche wurde immer wieder von wirtschaftlichen und tatsächlichen Schwierigkeiten betroffen. Mehrere Bergwerksunglücke forderten viele Menschenleben, einmal mußte ein großer Teil des Zechenfeldes unter Tage als Folge einer Schlagwetterexplosion mehrere Jahre stillgelegt werden und die Bomben des 2. Weltkrieges richteten ebenfalls schwere Zerstörungen an Maschinen und Gebäuden an.
 
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Zeche Friedrich der Große

Wir fahren am Zechenplatz der Zeche Friedrich der Große vorbei (links der von–Waldthausen–Str., bevor man abbiegt und immer noch auf der von–Waldthausen–Str. ist, wenn man in Richtung Castrop–Rauxel fährt, in Richtung Herne fährt man genau drauf zu) und dann bzw. vorher unterhalb des früheren Zechengeländes der Schächte Friedrich der Große III/IV entlang. Der Zechenplatz ist von Platanenalleen gebildet, die früher auf die Hauptgebäude der Zeche und auf den Zecheneingang zuführten.

Zusätzlich wird hier einmal ganz deutlich, dass die Schächte fast immer an der höchsten Stelle der Umgebung angelegt wurden. Das hatte Gründe in der Wasserführung, in der Wasserhaltung, wie es bergmännisch heißt. An der Oberfläche zu sehende Erhebungen sind Auffaltungen des Gebirges, also praktisch unterirdische Berge. Je höher der Berg, je näher man dem Gipfel ist, desto weniger Wasser kann zufließen. Legt man die Schächte auf der relativ höchsten Erhebung der Umgebung an (nicht unbedingt auf einem Berg, aber auf dem Gipfel der Umgebung), so hat man im oberen Teil des Schachtes und bei den ganzen Einrichtungen um den Schacht herum nicht mit Wasserzuflüssen zu kämpfen. Das gilt für Wasser aus dem Gebirge wie für Oberflächenwasser, das natürlich ebenfalls vom Schacht weg und nicht in den Schacht hinein fließt.

Die Zeche Friedrich der Große hieß im Volksmund Piepenfritz, wie Friedrich der Große. Alte Herner fahren noch heute nach Piepenfritz, wenn sie zu einer der heute auf dem früheren Zechengelände liegenden Firmen oder Einrichtungen wollen. Auf dem Gelände konnten erfolgreich einige auch größere Firmen angesiedelt und damit Ersatz für die im Bergbau weggefallenen Arbeitsplätze geschaffen werden. Allerdings haben auf der alten Zeche Piepenfritz früher mehr als fünftausend Leute Arbeit gehabt; heute ist man froh, dass einige hundert Arbeitsplätze da sind.

Friedrich der Große hat mit seinen (weiter westlich gelegenen) Schächten I/II und den hier gewesenen Schächten III/IV früher den Stadtteil Horsthausen geprägt. Die Zeche hat von 1870 – 1978 bestanden, wie an der Seilscheibe, die auf dem ehemaligen Zechenplatz aufgestellt ist, erläutert ist.
 
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Zeche Hansa

Die Zeche Hansa wurde 1856 mit dem Abteufen des ersten Schachtes gegründet. 1980 wurde sie geschlossen. Die Zeche erhielt durch den Bau der Kokerei Hansa ab 1928 größere Bedeutung. Die Kokerei wurde nach der Schließung der Zeche noch einige Jahre betrieben und ist heute ein Industriedenkmal. Sie kann nach Absprache besichtigt werden (Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, Emscherallee 11, 44369 Dortmund, Tel. 0231/93112243).

http://www.industriedenkmal-stiftung.de

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Zeche Julia, zeitweise Barillon

Der Name Barillon bestand in der Zeit, als die Zeche belgischen Eignern gehörte (genauso wie die Zechen Von der Heydt). Zeche von 1867-1960, die als erste Zeche Deutschlands ein stählernes Fördergerüst erhielt (bis zu diesem Zeitpunkt waren die –gemauerten– Malakowtürme üblich). Es sind nur wenige Gebäude erhalten. Die Stadt Herne verlegte in den 60ern ihren bis dahin in der Stadtmitte direkt neben dem Rathaus gelegenen Großmarkt auf dieses Gelände. Dafür und für die Nutzung als Gewerbegebiet sowie für einen Verbrauchermarkt wurden die Gebäude abgerissen. Die KME-Route führt auf der Cranger Str. am alten Zechengelände vorbei (zwischen dem Julia-Eck an der Ecke Juliastr. und dem aus den Autobahnen A 43 und A 42 [Emscherschnellweg] gebildeten Autobahnkreuz südlich gelegen). Von dort aus sieht man noch ein paar kleinere Gebäude.
 
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Zeche Neu-Cöln, Essen-Borbeck

Dort, wo bis 1960 der ehemalige Schacht 1 der nur bis 1931 bestehenden Zeche Neu-Cöln als Wetterschacht der Zeche Christian Levin Dienst tat, erinnert für das kundige Auge nur noch eine ehemalige Halde an den Bergbau. Wir haben sie bei unserer Radwanderung nach Westen gerade passiert bzw. werden sie auf dem Weg nach Osten gleich passieren; heute ist sie ein Erholungsgebiet, an dessen Rand Schrebergärten und ein Neubaugebiet liegen.
 
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Zeche Oberhausen

Diese Zeche bestand von 1854 bis 1931 und wurde 1935 als Schaubergwerk eingerichtet (nicht mehr vorhanden).
 
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Zeche von der Heydt ursprünglich Zeche Herne, dann Zeche Providence (als die Zeche belgischen Eignern gehörte, wie auch die Zeche Julia)

Zeche ab 1864. Die Kohleförderung wurde schon 1918 eingestellt und zur Zeche Julia verlagert. Die Schächte wurden zur Seilfahrt (Material und Menschen) und zur Bewetterung (Frischluft in die Zeche, Abluft aus der Zeche ziehen) weiter benutzt. Zwischen 1952 und 1964 gab es noch einmal ein Renaissance der Kohleförderung. Die Schächte wurden verpachtet und als Kleinzeche mit relativ geringer Förderung wieder in Betrieb genommen. Von dieser Zeche ist außer dem Namen der Von-der-Heydt-Str. (die an der in der Senke der Cranger Str. gelegenen Unterführung der KME mündet; hier war früher die Zechenzufahrt zu dem nördlich gelegenen Zechengelände, heute reines Wohngebiet).
 
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Zechenbahnen

Das Revier war früher und ist teilweise heute noch kreuz und quer von Zechenbahnstrecken durchzogen. Die Bahnstrecken verbanden einerseits die Zechen untereinander und andererseits mit den Strecken der großen Eisenbahn.

Viele der die Zechen untereinander verbindenen Bahnstrecken verloren mit der Schaffung von Verbundbergwerken und der Zentralisierung von Förderanlagen nach und nach ihre Bedeutung. Dem dichten Zechenbahnnetz steht nämlich ein unterirdisches Netz von Grubenbahnen mit mehreren hundert Kilometern Länge gegenüber.

Die Strecken waren fast immer eingleisig und sind auch heute noch nur für geringe Geschwindigkeiten ausgelegt. Man kann Zechenbahnstrecken für Geschwindigkeiten bis 30 km/h heutzutage am hellen, fast weißen Schotter, erkennen, der nur an solchen Langsamfahrstrecken verwendet werden kann.

Einige der Strecken bzw. ihre Trassen sind uns als Stadtteile oder Grüngebiete verbindende Rad- und Fußwege erhalten geblieben. Manchmal erkennt man die Trassen nur noch daran, daß sie auf einem Damm oder in einem Geländeeinschnitt verlaufen. Die Zechenbahnen mußten in der Fläche so eben, wie nur möglich sein, weil es sonst unmöglich gewesen wäre, die hunderte von Tonnen schweren Züge den Berg hinauf zu bewegen und bei Talfahrt zu bremsen.

Beispiele für Zechenbahnen:

Zweigbahn von der CME zum Hafen Grimberg Wenn man sich in westlicher Richtung auf dem Teilstück der Gelsenkirchener Straße nach der Edmund-Weber-Straße, weiter auf der Elfriedenstraße und dann auf der Ostpreußenstraße bewegt, in östlicher Richtung natürlich in umgekehrter Reihenfolge, kann man das Bahnkreuz der Grimbergbahn mit der KME bei gleichzeitigem Abzweig der Emschertalbahn in nordwestliche Richtung grandios sehen. Wie heute Autobahnen mit ihren Kreuzen, so mußte und muß man Bahnlinien mannigfach miteinander verknüpfen: ein Gleis von Süd nach Ost, ein Gleis, wegen des notwendigen Radius und zur Vermeidung von Unfällen separat, von Ost nach Süd, ein Gleis von Ost nach Nord und eines von Nord nach Ost, ein Gleis von West nach Süd, eines von West nach Nord und natürlich jeweils umgekehrt und so weiter, bis alle denkbaren oder alle notwendigen Richtungen abgedeckt sind. Bei so wichtigen Bahnlinien wie der Grimbergbahn, obwohl nur Nebenbahn, der Emschertalbahn und ihrer ‚Mutter‘, der CME oder KME, sind natürlich alle Richtungen abzudecken. Die Grimbergbahn verband gleichzeitig mehrere Zechen sowohl mit der CME als auch dem Hafen Grimberg am Rhein-Herne-Kanal, der nur 1,5 km entfernt ist, u.a. die Zechen Hannover in Hordel (einen Besuch Wert, Malakoffturm, 1873 in Ziegelmauerwerk errichtet; mit dem Maschinenhaus zum Museum, Teil des Westfälischen Industriemuseums, ausgebaut), Carolinenglück, ebenfalls in Hordel und Holland in Wattenscheid und ist in Bochum-Mitte wieder mit den dortigen Bahnhauptstrecken verknüpft. Die Brücken des Kreuzes und der Grimbergbahn überspannen im Streckenabschnitt Herne-Wanne/Gelsenkirchen-Hüllen, links und rechts der CME ihrerseits schon mehrstöckig, auf Dämmen geführte Schienenstränge, nämlich die Emschertalbahn (die kurz vorher von der Hauptstrecke der CME, mit der sie seit Herne die Gleise zusammen benutzte, abzweigt), bilden ein Kreuz mit der CME und sind gleichzeitig Rohrbrücken sowie Brücken über den Hüller Bach. Die Brückenteile über Gelsenkirchener Straße in Herne-Wanne, kurz vor bzw. hinter der Stadtgrenze zu Gelsenkirchen-Hüllen werden von expressionistisch gestalteten Brückenpfeilern getragen. Südlich der CME verläuft die Bahn als Hochbahn auf einer Stahlkonstruktion, die entfernte Ähnlichkeit mit der Brücke am Kwai hat. Dieses Teilstück ist am besten von der Ostpreußenstraße aus zu sehen, gegenüber dem Busbahnhof der BOGESTRA, der Bochum-Gelsenkirchener-Straßenbahn. Auf der Ostpreußenstraße über- und unterquert man alle beschriebenen Gleise des Riesenkreuzes u.a. auf nicht weniger als sieben schienengleichen Bahnübergängen.

Bahn zur ehemaligen Kokerei Hansa (Dortmund)

Wir überqueren diese Bahnen in unmittelbarer Nähe der KME oder CME auf der Straße Mooskamp in Dortmund. Sie sind unmittelbar mit der KME einerseits und mit der Güterbahn zum Hardenberghafen (ehemalige Zeche Hardenberg) andererseits verbunden, die wir kurz vorher (oder auf dem Weg nach Westen kurz nachher) im Verlaufe der Fernstraße über– und unterqueren. Diese Güterbahn hat im Verlaufe einer Wiederbelebung des Dortmunder Hafens ihre Bedeutung erhalten und wird von vielen Zügen benutzt.
 
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Zechenbeamte

In den alten Zechensiedlungen kann man die Hierarchie der Zechenbelegschaft in früheren Zeiten an den Häusern ablesen. Es gibt immer eine Reihe von etwas größeren Häusern, die von außen komfortabler aussehen. Diese Häuser waren nicht etwa größeren Familien zugedacht, sondern denen, die den Arbeitern vorgesetzt waren, Steiger zum Beispiel, oder bessere Angestellte in der Zechenverwaltung. Diese Leute wurden Zechenbeamte genannt, obwohl sie dienstrechtlich nicht in einem Beamtenverhältnis waren. Faktisch war die arbeitsrechtliche Stellung durchaus einem Beamtenverhältnis vergleichbar. Ihr Arbeitsvertrag war zwar nicht unkündbar, aber Kündigungen kamen nur in Ausnahmefällen vor. Außerdem genossen sie eine Reihe von Privilegien seitens der Bergwerksgesellschaft.
 
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Zechensiedlungen

Der Zustrom von Bergarbeitern vor allem aus dem Osten Deutschlands (um die ehemalige Zeche Pluto in Herne–Wanne herum finden sich die Hinweise darauf in Straßennamen wieder, Ostpreußenstraße, Preußenstraße, Schlesierstraße) und dem Osten Europas, wozu man damals nicht nur Ungarn, sondern ebenfalls Österreich zählte; 1876 waren z.B. auf der ebenfalls nahe der KME gelegenen Zeche Unser Fritz 76 % der Belegschaft ‚östlicher Herkunft‘), erforderte besonders im letzten Viertel des vorigen, allerdings ebenfalls wieder bis zum zweiten Weltkrieg, nur unterbrochen durch den ersten Weltkrieg, raschen Wohnungsbau. Vereinzelt wurden noch nach dem zweiten Weltkrieg solche Siedlungen gebaut, da allerdings eher in der Form von Trabantenstädten (häufig Punkthochhäuser in der Mitte, drumherum ein Kranz von zwei- bis vierstöckigen Häusern, da herum ein Kranz von Einfamilienhäusern, die damals häufig nicht ins Eigentum der Bewohner übergingen, sondern zur Miete bewohnt wurden). Man brauchte einerseits Häuser für die Unterbringung von Einzelpersonen und baute Ledigenheime. Viele Bergarbeiter wollten ihre Familien nachkommen lassen oder gründeten hier eine Familie. Für diese brauchte man Wohnungen. Man stampfte Häuser mit einfachen Wohnungen (Kolonie) in der direkten Umgebung der Zechen aus dem Boden und erreichte damit mehrere Ziele: das Wohnungsbedürfnis wurde befriedigt, die Arbeiter hatten kurze Wege zum Bergwerk und ihre Arbeitskraft konnte damit optimal ausgebeutet werden und es entstand eine zusätzliche Abhängigkeit; wer nicht spurte, dem wurde mit dem Arbeitsplatz gleichzeitig die Wohnung gekündigt. Nach und nach, vor allem in diesem Jahrhundert, führten Erkrankungen und insgesamt schlechter Allgemeinzustand der Arbeiter zu dem Gedanken, die Wohnverhältnisse müßten gebessert werden (allerdings nicht unter sozialen Gesichtspunkten, sondern hauptsächlich unter der Prämisse der Erhaltung einer gesunden Arbeiterschaft einschließlich der Sicherung des Arbeiternachwuchses). Häufig wurden, wie von den Häusern in der nahegelegenen Thiesstraße bekannt ist, die Wohnungen in den Koloniehäusern in lauter Einzelzimmer unterteilt, um möglichst viele einzelne Personen unterbringen zu können. Diese Einzelzimmer wurden durchaus nicht nur von einem einzelnen Bergmann bewohnt, sondern von mehreren und –bei umschichtiger Benutzung der Betten, der eine ging zur Schicht, der andere ging in das gerade frei gewordene Bett– schichtweise. Dieses Verfahren traf man ebenfalls bei sogenannten Kostgängern an, bei in Familien untergebrachten alleinstehenden Männern, wobei häufig das Bett des Hausherrn mit einbezogen wurde. Manchmal munkelte man, die Hausfrau sei ebenfalls mit in dieses Geschäft einbezogen gewesen, das nannte sich dann volle-Kost-voll. Es entstanden Zechensiedlungen mit größeren, allerdings für die große Anzahl der Kinder unter heutigen Gesichtspunkten immer noch nicht ausreichenden, Wohnungen und mit viel Grün zwischen den Häusern. Häufig waren die Siedlungen in der Form von Gartenstädten gebaut (z.B. Dahlhauser Heide in Bochum, Siedlung Teutoburgia in Herne-Holthausen, die einen Abstecher von der Alternativroute der Emschertalbahn wert ist).

Manchmal vermitteln die Siedlungen den Eindruck eines dörflichen Charakters, wie z.B. die Siedlung der Zechen Adolf von Hansemann an der Händelstr. in Dortmund–Mengede mit dem Luisenplatz als Dorfplatz mit Lindenbestand. Diese Siedlung ist zwar nicht ganz so homogen, wie manche Gartenstadt. Die Siedlung hat eine gemischte Bebauung und wurde mit Nachkriegsbauten ergänzt.
 
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Zwerchgiebel

Zwerchgiebel sind Giebel des Zwerchhauses und eine Zwerchhaus ist ein Querhaus. Zwerchgiebel wurden hauptsächlich in der Gotik und der Renaissance als Schmuckelemente verwandt und sollten die langen horizontalen Linien des Daches unterbrechen. Sie kehren im Historismus, teilweise auch in anderen Architekturformen als Schmuckelement wieder, hier allerdings nicht mehr am Zwerchhaus, sondern überall dort am Gebäudedach, wo es dem Architekten einfällt, als Schmuckelement oder anstelle kleinerer Gauben (historisch: Gaupen) und dienen nun in der Regel in erster Linie dazu, Fenster zur Belichtung des Dachgeschosses aufzunehmen und hier Wohnräume zu ermöglichen. Es lohnt sich hinzuschauen; so manches Gebäude erkennt man erst am Vorhandensein und an den Formen der Zwerchgiebel als mit Stilelementen der Neorenaissance ausgestattet. Man sieht gerade diese Stilelemente nicht nur an Häusern der Zeit des Historismus, sondern durchaus an Häusern, die bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts gebaut wurden.
 
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  © Rainer Sturm, Herne
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